ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2003Ombudsstellen bei den Ärztekammern: Die ersten Erfahrungen sind positiv

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Ombudsstellen bei den Ärztekammern: Die ersten Erfahrungen sind positiv

Dtsch Arztebl 2003; 100(3): A-147 / B-135 / C-131

Schoeller, Annegret

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LNSLNS Die Situation junger Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern hat sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Leistungsverdichtung bei verkürzten Liegezeiten und bei Reduzierung der Planstellen im ärztlichen Dienst führen zu unerträglichen Arbeitsbelastungen. In Verbindung mit willkürlich befristeten Arbeitsverträgen und infolge zahlloser unbezahlter Überstunden kommt dies einer Ausbeutung der Arbeitskraft und der Ideale einer jungen Ärztegeneration gleich. Die Verantwortung für die ärztliche Betreuung der Patienten ist wegen dieser drastischen Überlastung für viele untragbar geworden. Folge: Viele junge Ärzte ziehen sich aus der kurativen Medizin zurück und „flüchten“ in andere Berufe.
Aufgrund dieses dringenden Problems befasste sich der 104. Deutsche Ärztetag 2001 in Ludwigshafen eingehend mit diesem Thema und appellierte an die Ärztekammern, eine Ombudsfrau oder einen Ombudsmann zu benennen, welche(r) in den einzelnen Kammerbereichen die Funktion als Berater/in für die betroffenen Ärztinnen und Ärzte übernimmt. Die Benennung einer solchen Vertrauensperson, an die sich Betroffene jederzeit wenden können, soll ein Schritt sein, um diesen Personen praktische Hilfestellung und moralische Unterstützung zu geben. Gleichzeitig wurden die Ärztekammern gebeten, dem nächsten Deutschen Ärztetag über Ergebnisse und Erfahrungen in Zusammenhang mit der Arbeit dieser Ombudspersonen zu berichten. Auch der 105. Deutsche Ärztetag in Rostock wünschte für das Jahr 2002 eine Berichterstattung.
Die vorliegenden Berichte zeigen, dass im Gegensatz zum letzten Jahr, in dem zunächst nur neun Ärztekammern eine Ombudsstelle eingerichtet hatten, inzwischen die Ombudsstellen aller 17 Ärztekammern ihre Tätigkeit aufgenommen haben. Die Beratungskonzepte sind im Einzelfall unterschiedlich ausgestaltet. Entweder befasst sich der Präsident selbst mit dem Anliegen der Kammermitglieder oder der Geschäftsführer oder gar eine Gruppe wie der Vorstand, Ausschüsse oder Arbeitsgruppen.
Da viele Ärztekammern erst seit kurzer Zeit Ombudsstellen eingerichtet haben, können sie noch nicht systematisch über Erfahrungen berichten. Es fällt aber auf, dass das Hilfsangebot von den Betroffenen je nach Kammer sehr unterschiedlich genutzt wird. Möglicherweise kann die in einigen Kammern beobachtete geringe Inanspruchnahme an einem zu geringen Bekanntheitsgrad dieser Ombudsstelle liegen. Im Hinblick auf die Erfahrungsberichte, die aktuell vorliegen, zeigt sich deutlich, dass die meisten der Eingaben Fragen und Probleme im Zusammenhang mit der Arbeitszeit betreffen. So wurde eine erhebliche Zahl von Überstunden und Diensten, die Folgen personeller Unterbesetzung sowie von Zeitarbeitsverträgen, beklagt. Hinzu kommen Mobbing und interkollegiale Streitigkeiten.
Die Rolle der Ombudsperson erfordert viel Einfühlungsvermögen und Verhandlungsgeschick. Als Interventionsvorgehensweisen werden direkte Kontaktaufnahmen der Vertrauensperson mit Krankenhausverwaltungsleitern, Geschäftsführern und Chefärzten genannt. Eine Ärztekammer berichtet, dass aus dem Kreis der beratenden Ärzte Personen als Interviewpartner für Print- und audiovisuelle Medien benannt wurden, um gegen Ausbeutung auch medienpolitisch vorzugehen. Zwischenzeitlich ist diese Problematik auch in das öffentliche Bewusstsein getreten. Darüber hinaus wurden Erfahrungen und konkrete Fälle anonym aufgelistet und den zuständigen Aufsichtsbehörden sowie den Sozial- und Wirtschaftsministerien zur Kenntnis gegeben. Als Folge dieser Zusammenarbeit wurde in einem Bundesland eine Verordnung erlassen, die unbezahlte oder unterbezahlte „Gastarzt/Stipendiaten-Tätigkeit“ als unzulässig erklärt. Diese ersten Erfahrungsberichte zeigen, dass Ombudsstellen in den Ärztekammern eine wichtige Funktion als Anlaufstelle für Hilfe suchende Ärztinnen und Ärzte darstellen.
Dr. med. Annegret Schoeller, BÄK
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