ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2003Mehr Einzelverträge: Auflösung der GKV möglich

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Mehr Einzelverträge: Auflösung der GKV möglich

Dtsch Arztebl 2003; 100(3): A-70

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LNSLNS Forschungsinstitut analysiert Diskussion um Sicherstellungsauftrag.
Einzelverträge zwischen den Krankenkassen und Ärzten ohne Beteiligung der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) führen dazu, dass der Sicherstellungsauftrag für die vertragsärztliche Versorgung vollständig an die Kassen übertragen wird. Damit würde ein Systembruch vollzogen, an dessen Ende die Auflösung der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) und ein rein marktwirtschaftlich orientiertes Gesundheitswesen stehen könnten. Zu diesem Schluss kommen Prof. Dr. med. Fritz Beske und vier weitere Autoren in einer Studie über den Sicherstellungsauftrag. Beske ist Direktor des Instituts für Gesundheits-System-Forschung in Kiel.
Die Autoren weisen darauf hin, dass eine Zunahme von Einzelverträgen dazu führe, dass bei den KVen ein Informations- und Steuerungsdefizit entstehe: „Mit einem unkalkulierbaren Restbudget würde sich ein unkalkulierbarer Versorgungsrest nicht abdecken lassen.“ Die Wissenschaftler halten es zudem für ausgeschlossen, dass die Kassen durch Einzelverträge mit rund 122 000 Ärzten eine flächendeckende Versorgung sichern können. Sie gehen davon aus, dass nicht jede Kasse mit jedem Arzt einen Vertrag abschließen würde. Leidtragende wären die Patienten; für sie werde die freie Arztwahl aufgehoben, und wirtschaftliche Gesichtspunkte würden bei der Vertragsgestaltung vor medizinische gestellt.
Die Autoren heben einen weiteren Aspekt hervor: „Das gesamte Regelwerk, das heute die Funktionsfähigkeit der GKV bestimmt, wäre aufgehoben.“ Dies gelte für Gremien wie Zulassungsausschüsse oder den Bundes­aus­schuss der Ärzte und Krankenkassen, aber auch für Abrechnungsprüfungen oder Qualitätskontrollen. Die Studie kann gegen eine Gebühr von zehn Euro bestellt werden unter Telefon: 04 31/3 89 52 24; E-Mail: stiftung@igsf.de.
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