ArchivDeutsches Ärzteblatt42/1996Anleger-Informationen: Von heißen Tips und nkaltem Kaffee

VARIA: Wirtschaft - Berichte

Anleger-Informationen: Von heißen Tips und nkaltem Kaffee

Jobst, Peter

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LNSLNS Aktienanleger haben es nicht einfach: Seit Banken und Sparkassen zunehmend dazu übergehen, allenfalls Kunden mit sechs- bis siebenstelligem Vermögen individuell zu beraten, müssen sich andere Kunden weitgehend selbst über das aktuelle Geschehen an den internationalen Finanzplätzen informieren. Die Auswahl der Informationsmedien ist freilich groß: von Tageszeitungen bis zu Satelliten-Übertragungssystemen reicht die Palette. Besonders aktuell sind dabei zwangsläufig die Rundfunk- und Fernsehanstalten, deren Börsenberichterstattung in den vergangenen Jahren ebenso deutlich ausgeweitet wurde wie das Videotext-Programm, beispielsweise von ARD, ZDF oder dem hier besonders aktiven Bayerischen Fernsehen. Dennoch kann und wird kaum ein Anleger auf die Informationen der Printmedien verzichten, gehen hier die Hinweise doch zweifellos mehr in die Tiefe. Ganz vorne steht dabei die Tagespresse, deren überregionale Ausgaben oftmals nicht nur einen sehr aussagekräftigen Kursteil besitzen, sondern auch mit einer breiten Palette an Unternehmens- und Konjunkturmeldungen angereichert sind. Hier lohnt sich das "Lesen zwischen den Zeilen"; oft verbergen sich hinter einem lapidaren Bericht über eine Bilanz-Pressekonferenz hochinteressante Informationen. Ergänzungen zu tagesaktuellen Informationen bieten Magazine unterschiedlicher Couleur, die sich im weitesten Sinne mit der Geldanlage und damit auch mit dem Wertpapiergeschäft befassen. Von der "Aktie im Test" über Berichte aus den Vorstandsetagen deutscher Unternehmen bis hin zu detaillierten Marktanalysen ist hier weitgehend alles geboten, was der Anleger als Handwerkszeug unbedingt benötigt. Zahlreiche Kreditinstitute stellen ihren guten Kunden auch selbst entsprechendes Material zur Verfügung – und dies sogar kostenlos. Nahezu jede Großbank bringt eigene Informationsdienste heraus, auch die Sparkassen bieten mit der Zeitschrift "Börsenberater" ein Medium für alle, die sich um ihre Finanzen selbst kümmern möchten. Weil jedoch alle monatlichen Publikationen unter dem Handikap der langen Vorlaufzeit zwischen Herstellung und Verkauf leiden, können sich die Herausgeber von Börseninformationsdiensten freuen, von denen allein in Deutschland mehrere Dutzend um Kunden werben. Sie bieten zu Bezugspreisen zwischen 200 und über 1 000 DM pro Jahr "vertrauliche Informationen vom Börsenparkett". In relativ nüchternem Stil wird auf mehreren Seiten über aktuelle Tendenzen und Entwicklungen berichtet, dabei fehlt es nicht an Kaufsignalen für möglicherweise unterbewertete Papiere. Kritisches Lesen ist jedoch in jedem Fall angesagt: Manche Dienste stehen in dem Ruf, daß – trotz Insiderbestimmungen und entsprechender Richtlinien – die Herausgeber mit dem Handel der empfohlenen Titel selbst kräftig Kasse machen. In jedem Fall hat jedoch eine Empfehlung eines marktengen Papiers in einem weitverbreiteten Informationsdienst erhebliche Auswirkungen auf den Kursverlauf. Längst braucht der Anleger jedoch auf die Elektronik nicht mehr zu verzichten: Im T-Online-Dienst – dem ehemaligen Bildschirmtext (Btx) – findet der Börsianer mehr als vier Dutzend Anbieter von Börseninformationen. Die Palette reicht von zeitnah während der Börsensitzung übermittelten Kursen, etwa vom deutschen oder amerikanischen Parkett, über detaillierte Analysen einzelner Papiere bis hin zu Auszügen aus international verbreiteten Börsendiensten. Der Einstieg ist dabei preiswerter als gemeinhin angenommen: Jeder Personalcomputer läßt sich bereits für wenige hundert Mark per Modem und Softwaresteuerung aufrüsten, die monatlichen Grundgebühren liegen bei unter 10 Mark. Gesondert berechnet werden lediglich Datenbank-Gebühren sowie die T-Online-Kosten, die sich weitgehend nach der Dauer der Abfragen richten. Noch aktueller geht es schließlich über Satellit: Mehrere Anbieter senden etwa die Kurse der Deutschen Terminbörse und vom Frankfurter oder New Yorker Parkett live – also ohne Zeitverzögerung – aus dem Weltall, der Anleger kann selbst während der Börsensitzung munter handeln. Die Übertragung erfolgt dabei entweder in den heimischen PC oder aber auf einen Cityrufempfänger, der rund um die Uhr mit den neusten Nachrichten versorgt wird.


Mehr als 100 Programme
Weil aber die Kurse allein noch keine Anlageentscheidungen bieten, wurden allein in Deutschland in den vergangenen Jahren mehr als 100 verschiedene Computerprogramme zur Aktienanalyse und Depotverwaltung auf den Markt gebracht. Diese Software liest die aktuellen Kurse ein und bereitet sie dann beispielsweise in Form von Charts oder sogar konkreten Kauf- und Verkaufsempfehlungen auf. Vorteile sind damit insbesondere für den Anleger verbunden, der sich nur wenig um sein Vermögen kümmern kann – oder will. Auf Knopfdruck wird er über seine Anlagewerte aktuell informiert, gleichzeitig kann er auf einen Blick feststellen, welche Werte interessant erscheinen. Blinde Computer-Gläubigkeit kann freilich auch gefährlich werden: Da die Signale nur so gut sind wie die da- hinterstehende Programmierung, sollten sie zumindest anfangs nur mit Vorsicht beachtet und erst nach sorgfältiger Prüfung auch tatsächlich genutzt werden. Peter Jobst

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