ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2003Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer: Hochwasserspenden ausgezahlt

POLITIK

Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer: Hochwasserspenden ausgezahlt

Dtsch Arztebl 2003; 100(4): A-159 / B-145 / C-141

Köhler, Knut

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Heißluftgeräte und Baustellen prägen auch fünf Monate nach dem Hochwasser noch das Bild mancher Arztpraxis. Foto: Knut Köhler
Heißluftgeräte und Baustellen prägen auch fünf Monate nach dem Hochwasser noch das Bild mancher Arztpraxis. Foto: Knut Köhler
Auf dem Spendenkonto „Ärzte in Not“ sind rund zwei Millionen Euro eingegangen. Viele Ärzte sind auf die Hilfe angewiesen, denn noch sind
die Flutschäden nicht vollständig beseitigt.

Auch fünf Monate nach der Hochwasserkatastrophe in Sachsen ist noch keine Normalität in Sicht. Heißluftgeräte und Baustellen prägen noch immer das Bild so mancher Arztpraxis und einiger Krankenhäuser. Der Betrieb funktioniert zwar in großen Teilen, doch gibt es immer noch Räume, die nicht genutzt werden können. Insgesamt hat die Naturkatastrophe in Sachsen Schäden in Höhe von sechs Milliarden Euro hinterlassen. Zusätzliche Probleme entstehen jetzt in den kalten Wintertagen. Die Sächsische Architektenkammer warnte dieser Tage vor weitreichenden Frostschäden an der Bausubstanz wegen darin befindlicher Restfeuchtigkeit. Es wird demnach noch lange dauern, bis alle Schäden beseitigt sind.
Eine Art Weihnachtsgeschenk konnte jedoch die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer den vom Hochwasser geschädigten Ärzten in Sachsen machen. Noch vor dem Fest erhielten alle, die sich bei ihrer Lan­des­ärz­te­kam­mer gemeldet hatten, aus dem Spendenkonto „Ärzte in Not“ einen Anteil. Bis Ende November 2002 waren auf diesem Konto zwei Millionen Euro an Spenden eingegangen. Die Hälfte davon stammte von Unternehmen. 500 000 Euro spendeten Privatpersonen, darunter viele Ärzte aus dem In- und Ausland. Weitere 500 000 Euro wurden von Körperschaften und Institutionen überwiesen. Der Präsident der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, Prof. Dr. med. Jan Schulze, dankte allen Spendern für die großzügige Spendenbereitschaft: „Jede noch so kleine Summe war ein Zeichen der Anteilnahme an dem beruflichen und privaten Schicksal, das nicht nur Ärzte in Sachsen durch das Hochwasser vom August 2002 erlitten haben. Menschlichkeit und Kollegialität haben durch die Hochwasserfolgen eine hohe Bedeutung erlangt. Es war zum Teil überraschend, auf welchen Wegen Geld für eine Spende gesammelt wurde.“
Bereits kurz nach dem Hochwasser, noch im August, erhielten Ärzte aus dem Spendenkonto schnell und unbürokratisch eine Soforthilfe in Höhe von 1 000 Euro. Bis Ende November nahmen 248 Ärzte die Hilfe in Anspruch. Die Verteilung der verbleibenden Spendensumme auf die Ärzte erfolgte nach der Ermittlung einer Netto-Schadenssumme. Damit ist die Summe gemeint, die nach Abzug von Soforthilfen, Aufbauhilfen, Fördermitteln und sonstigen Zahlungen wie Versicherungen, Zahlungen des Hartmannbundes und anderer Spenden vom Arzt zu tragen ist. Dazu waren die Ärzte zur Selbstauskunft verpflichtet. Die verbleibenden Schadenssummen lagen zwischen 5 000 und 530 000 Euro (Stand: 30. November 2002).
Für jeden Einzelnen ist die Höhe der Restschadenssumme eine zusätzliche Belastung, die so schnell wie möglich ausgeglichen werden muss, damit die Arztpraxis wieder in vollem Umfang arbeiten kann. Geräte und Mobiliar müssen sofort angeschafft und bezahlt werden. Patienten können auf Dauer nicht in Dachböden oder Lagerräumen behandelt werden. Aus privaten Mitteln ist es zumeist nicht möglich, die hohen Summen selbst aufzubringen. Die Auszahlung der Gelder ist somit eine wichtige Unterstützung für die Erhaltung der beruflichen Existenz.
Die Spendenauszahlungen an die geschädigten Ärzte liegen zwischen 200 und 111 000 Euro. In den meisten Fällen können 20 Prozent der Restschadenssumme durch die Spenden gedeckt werden. Schulze: „Uns ist bewusst, dass dies manchmal nur einen ,Tropfen auf den heißen Stein‘ darstellt, aber wir hoffen, dass es durch die vorhandenen vielfältigen Hilfsprogramme der Bundes- und der Sächsischen Landesregierung möglich wird, auch die Härtefälle wirtschaftlich günstig zu stellen. Am besten wäre ein hundertprozentiger Ausgleich aller Schäden durch Spenden und Aufbauprogramme. Doch nicht jedem liegt es, Bittsteller zu sein, auch wenn dies unverschuldet ist.“
Die Sächsische Lan­des­ärz­te­kam­mer hatte den Ärzten noch während der Hochwasserkatastrophe zinslose Darlehen aus dem Fonds der Sächsischen Ärztehilfe in Höhe von 2 500 Euro angeboten. Diese Darlehen haben 38 Ärzte beantragt; in 36 Fällen sind sie bereits ausgezahlt worden. Es bleibt zu hoffen, dass es rasch gelingt, die materiellen Folgen des Hochwassers zu beseitigen. Was länger dauern wird, ist die psychische Verarbeitung der Katastrophe. Denn viele Menschen haben persönliche Erinnerungsstücke in den Fluten verloren und waren extremen Ausnahmesituationen ausgesetzt. Knut Köhler
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