ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2003Häufige Fragen zum Thema Pocken

POLITIK: Medizinreport

Häufige Fragen zum Thema Pocken

Dtsch Arztebl 2003; 100(4): A-164 / B-150 / C-146

RKI

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LNSLNS Sind die Pocken behandelbar?
Es gibt keine Therapieformen gegen Pocken, die in Studien getestet wurden, weil seit der Ausrottung nicht mehr mit dem Virus experimentiert werden durfte. Neuere antivirale Medikamente, die seit der Pockenausrottung für die Bekämpfung anderer Krankheiten entwickelt wurden, könnten theoretisch auch gegen Pocken wirksam sein. Personen, die Kontakt zu an Pocken erkrankten Personen hatten, können sehr effektiv geimpft werden, um einer Infektionsentwicklung vorzubeugen, sofern dies in den ersten vier Tagen nach Kontakt mit dem Pockenvirus geschieht. Dieses war auch das Erfolgsrezept der Strategie, die benutzt wurde, um die Erkrankung in den 70er-Jahren weltweit auszurotten.

Woraus besteht der Pockenimpfstoff?
Der Impfstoff beinhaltet nicht das Pockenvirus, sondern ein verwandtes und abgeschwächtes Virus, das so genannte Vacciniavirus. Wird dieser Impfstoff einem Menschen verabreicht, so ist dieser gegen Pocken geschützt.
Was ist der so genannte MVA-lmpfstoff?
Der MVA-lmpfstoff (Modifiziertes Vacciniavirus Ankara) besteht aus einem veränderten und abgeschwächten Virusstamm, der von der Bayerischen Landesimpfanstalt in den 1970er-Jahren entwickelt worden ist. Wegen seiner geringen Virulenz, aber auch wegen seines unsichereren Erzielens eines Immunschutzes wurde er damals nur zur Vorimpfung bei der Erstimpfung zugelassen. MVA hat vermutlich eine wesentlich geringere Nebenwirkungsrate als das normale Vaccinia-Impfvirus und ist nicht anstekkend, wie spätere Einsätze zeigten. MVA wäre der einzige Impfstoff, der auch bei Personen mit geschwächtem Immunsystem angewendet werden könnte.

Können sich Bürger impfen lassen, wenn sie wollen?
Der verfügbare Impfstoff ist weder von der national zuständigen Behörde, dem Paul-Ehrlich-Institut, noch von ähnlichen Einrichtungen anderer Länder zugelassen und deshalb auch zur Zeit generell über die Apotheken nicht verfügbar. Der Impfstoff wurde im Rahmen der Risikovorsorge für den Fall angeschafft, dass Pockenviren freigesetzt werden. Nur im Fall einer aktuellen Bedrohung würde die Impfung staatlicherseits empfohlen oder sogar angewiesen und würde dann in speziell eingerichteten Impfstellen durchgeführt werden.

Sind Personen mit einer Pockenschutzimpfung aus früherer Zeit noch geschützt?
Die meisten Menschen, die gegen Pocken geimpft wurden, haben auch Jahre später wahrscheinlich noch einen gewissen Impfschutz. Diese Annahme beruht auf Untersuchungen zum Fortbestehen der Antikörper oder von Gedächtniszellen des Immunsystems gegen das Pockenvirus im Blut. Ob dieser Restschutz eine Pockeninfektion selbst verhindern kann, ist unklar; er könnte aber durchaus zu einem milderen Krankheitsverlauf führen. Da man also nicht davon ausgehen kann, dass alle Personen, die vor 30 und mehr Jahren geimpft wurden, vor den Pocken zuverlässig geschützt sind, muss auch diese Personengruppe im akuten Gefährdungsfall erneut geimpft werden. rki

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