ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2003Fallpauschalen: Widerstand gefordert
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LNSLNS Beim Lesen des Artikels packt mich das kalte Grausen. Die Ärzte werden endgültig zum Handlanger bei der Umgestaltung der Krankenhäuser in profitable Wirtschaftsunternehmen. Am Ende werden nicht mehr medizinisches Wissen und ärztliche Zuwendung zum Patienten den guten Arzt ausmachen, sondern die geschickte Aufnahmeselektion, die gnadenlose Entlassung und der möglichst raffinierte Umgang mit den Codierungsvorschriften. Gleichzeitig läuft eine öffentliche Debatte über die Qualität unseres Gesundheitswesens. Wo sie zu beklagen ist, liegt es an Defiziten im medizinischen Wissen und Können und in mangelhafter Kommunikation. Beides ist nur zu verbessern, wenn die Alltagsarbeit genügend Raum lässt für Fortbildung und Informationsaustausch. Solange die ärztliche Arbeitszeit zunehmend von Bürokratie aufgefressen wird, kann sich daran nichts ändern. Werden die DRGs eingeführt, ihre Realisierung den Ärzten aufgebürdet, wird sich die Profitabilität einiger Kliniken verbessern, andere werden verschwinden, aber die ärztliche Versorgung der Bevölkerung wird sich insgesamt verschlechtern.
Dass die Ärzteschaft diese Entwicklung ohne wesentlichen Widerstand mitmachen will, ist mir völlig unverständlich. Für jeden erkennbar steht am Ende ein völlig verändertes Gesundheitswesen, dessen Qualität ausschließlich an ökonomischen Kriterien gemessen wird. Wenn die Ärzteschaft diese Entwicklung nicht verhindert, dann macht sie sich mitschuldig und wird ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht. Wir dürfen diese katastrophale Entwicklung nicht sehenden Auges tatenlos zulassen. Begibt sich die Ärzteschaft widerstandlos unter das Diktat der Ökonomie, wird man am Ende ihr alle Folgen anlasten. Die Politik wird sich die Hände in Unschuld waschen und sich in den wohldotierten Vorruhestand zurückziehen . . .
Dr. med. Arno Richter,
Willsbacher Straße 58, 74182 Obersulm
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