ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2003Onkologie – Ziel: Interdisziplinäre medizinische Onkologie

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Onkologie – Ziel: Interdisziplinäre medizinische Onkologie

Dtsch Arztebl 2003; 100(4): A-179 / B-165 / C-161

Schimke, J.

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LNSLNS . . . Mit einem etwas resignierten Unterton beschreibt der Autor in seinem Kommentar – offensichtlich aus Sicht des Krankenhausarztes – die Situation des Schwerpunktes „Hämatologie und internistische Onkologie“ und stellt neben der Frage nach zukünftigen Versorgungsstrukturen (ambulant versus stationär) die Problematik der so genannten „Organonkologie“ in den Vordergrund. Tatsächlich ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten in der Bundesrepublik eine Entwicklung eingetreten, die – in einer Art anatomischen Schubladendenkens – mit der Organlokalisation für eine Zuordnung der onkologischen Verantwortlichkeit an die entsprechenden organbezogenen Fachgebiete argumentiert. Dies bezieht sich zum einen auf die Lokalisation des Primärtumors, aber auch auf evtl. Sekundärmanifestationen. So gilt der Gynäkologe u. U. als „Spezialist“ für das Mamma-Ca., die Lungenmetastasen beim Mamma-Ca. werden dann aber vom Pulmologen behandelt.
Dies erscheint paradox, zumal sich doch parallel zu dieser organbezogenen Entwicklung immer mehr die Auffassung durchgesetzt hat, dass maligne Erkrankungen auch schon in frühen, noch auf das Organ begrenzten Stadien einer systemischen Betrachtungsweise bedürfen. Als Beispiele seien hier die neoadjuvanten und adjuvanten Systemtherapien im Rahmen primärer Behandlungsstrategien (z. B. Mamma-Ca.) genannt. Bereits in dieser Krankheitssituation bedarf es für eine umfassende und hauptamtliche Patientenbetreuung wegen des therapie- und tumorassoziierten Nebenwirkungs- und Komplikationspotenzials einer globalen, ganzheitlichen Betrachtungsweise des Patienten. Deren Bedeutung nimmt mit zunehmendem Krankheitsstadium (z. B. Metastasierung) zu. Auch eine adäquate Beurteilung der Wertigkeit verschiedener Therapiestrategien und -modalitäten i. S. der jeweiligen Krankheitssituation kann zum Vorteil des Patienten nur vor dem Hintergrund einer ganzheitlichen Erfassung des Patienten erfolgen. Die umfassende, internistisch-onkologisch orientierte Ausbildung ist dafür prädestiniert und zu fordern.
Grundsätzlich erscheint es daher weder sinnvoll noch verständlich, aus der Organlokalisation der Primärdiagnose oder eventueller Metastasierungen den Anspruch auf eine umfassende onkologische Therapie und Patientenbetreuung abzuleiten. Vielmehr sollte auch in der Bundesrepublik wie in weiten Teilen des europäischen Auslandes und in den USA i. S. einer Professionalisierung der Onkologie wieder eine funktionell und interdisziplinär ausgerichtete „Medizinische Onkologie“ an die Stelle einer oftmals skotomisierten Organonkologie treten.
Die Fachgesellschaften der internistischen Onkologie (DGHO und AIO) haben sich bereits dieser europäischen Entwicklung angeschlossen und die Zertifizierungskriterien der European Society of Medical Oncology (ESMO) zur Voraussetzung für eine Mitgliedschaft gemacht, mit dem Ziel die Hauptamtlichkeit einer umfassenden, patientenorientierten Onkologie sicherzustellen.
Dr. J. Schimke, Am Ludwigsberg 78, 66113 Saarbrücken, Priv.-Doz. Dr. S. Schmitz, Sachsenring 69, 50677 Köln
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