ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2003Medizin und Nationalsozialismus

BÜCHER

Medizin und Nationalsozialismus

Dtsch Arztebl 2003; 100(4): A-183 / B-168 / C-164

Grün, Bernd; Hofer, Hans-Georg; Leven, Karl-Heinz

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LNSLNS Medizingeschichte
Interessante Funde
Bernd Grün, Hans-Georg Hofer, Karl-Heinz Leven (Hrsg.): Medizin und Nationalsozialismus. Die Freiburger Medizinische Fakultät und das Klinikum in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“. Medizingeschichte im Kontext, Band 10, Peter Lang, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt/Main, 2002, 544 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 69,80 €
Nur für wenige deutsche Universitäten liegt eine so gründliche Geschichte der medizinischen Fakultät vor wie für Freiburg im Breisgau (Seidler, 1991). Zudem hat man dort schon früh begonnen, die Zeit des Nationalsozialismus kritisch aufzuarbeiten. Den Anfang machte eine Ringvorlesung im Jahr 1988. Jetzt liegt ein Aufsatzband vor, der als Begleitbuch zu einer Ausstellung dient, die im Sommer 2002 vom Medizinhistorischen Institut der Universität Freiburg ausgerichtet wurde.
Vieles, was hier für die Stadt an der Dreisam geschildert wird, hat sich ähnlich an anderen medizinischen Fakultäten zugetragen, wie wir aus vergleichbaren Studien wissen.
Der Freiburger Sammelband zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass an ihm auch Medizinstudenten mitgewirkt haben, die nicht vor den Mühen der Arbeit mit archivalischen Quellen zurückschreckten und dafür mit interessanten Funden belohnt wurden. Einer dieser studentischen Beiträge befasst sich zum Beispiel mit der Krankenpflege an Freiburger Universitätskliniken im Dritten Reich. Originell und wichtig ist ebenfalls die Studie zur Geschichte der Sportmedizin in der Zeit zwischen 1933 und 1945 anhand Freiburger Quellen. Natürlich fehlen auch nicht Kapitel über die in der Universitätsfrauenklinik vorgenommenen Zwangssterilisationen sowie über den Krankenmord („Euthanasie“).
Besonders erwähnenswert ist der Beitrag des Freiburger Universitätsarchivars Dieter Speck über das bislang wenig erforschte Schicksal von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern an Universitätskliniken.
Nicht zuletzt macht dieser Aufsatz deutlich, wie problematisch infolge von Kriegsverlusten die Quellenüberlieferung im Fall Freiburgs ist.
Robert Jütte
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