ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2003Der verdächtige Abstrich in der Schwangerschaft: DNA-Bildzytometrie einsetzen

MEDIZIN: Diskussion

Der verdächtige Abstrich in der Schwangerschaft: DNA-Bildzytometrie einsetzen

Dtsch Arztebl 2003; 100(4): A-200 / B-182 / C-178

Böcking, Alfred

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LNSLNS Das vorgestellte „Konzept für ein weiteres Vorgehen“ nach tumorzellverdächtigem Gebärmutterhalsabstrich bei Schwangeren lässt die diagnostischen und prognostischen Möglichkeiten der DNA-Bildzytometrie unberücksichtigt. Durch internationalen Konsensus (6) wurde festgestellt, dass dieses an existenten Abstrichen nachträglich durchführbare Verfahren zur Identifizierung progredienter intraepithelialer zervikaler Läsionen (Dysplasien) indiziert ist. Der Nachweis von DNA-Aneuploidie charakterisiert dabei eine Dysplasie als obligat präkanzerös beziehungsweise prospektiv maligne. Mit einem mittleren positiven Prädiktionswert von 91 Prozent (1, 3) entwickeln sich geringe und mittlere zervikale Dysplasien innerhalb von zwei Jahren in ein Carcinoma in situ weiter und müssen daher saniert werden, gegebenenfalls post partum. Da der negative Prädiktionswert DNA-euploider Dysplasien mit 94 Prozent ebenfalls hoch ist (10), reicht bei allen Patientinnen mit diesen Läsionen eine zytologische Kontrolle nach drei Monaten aus. Da neuere Publikationen weiterhin eine hohe prognostische Relevanz der DNA-Bildzytometrie für Patientinnen mit Zervixkarzinom auch im Stadium I belegen (5, 9) bietet es sich an, den „DNA-Malignitätsgrad“ bei manifestem Gebärmutterhalskarzinom bei Schwangeren ebenfalls in die Überlegungen zum weiteren Vorgehen mit einzubeziehen. Bei niedrigem Malignitätsgrad empfiehlt sich ein abwartendes, bei hohem eher ein invasives Vorgehen. Die DNA-Zytometrie liefert damit dem Gynäkologen zusätzliche, objektive Informationen zur Dignität einer zervikalen Dysplasie und gegebenenfalls zur malignen Potenz manifester Gebärmutterhalskarzinome. Diese sollten in seine diagnostischen und therapeutischen Überlegungen bei tumorzellverdächtigen oder positiven Abstrichen eingehen.
Die Methode ist durch vier internationale Konsensus-Reports standardisiert (2, 4, 7, 8) sowie im EBM und in der GOÄ abrechenbar. Sie wird in Deutschland bereits von mehr als 40 Institutionen durchgeführt.
Sowohl das Konzept von Horn et al. (9) als auch das hier vorgestellte bedürfen der wissenschaftlichen Evaluation durch prospektive, gegebenenfalls randomisierte Studien.

Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. Alfred Böcking
Universitätsklinikum Düsseldorf
Institut für Cytopathologie
Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf

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