ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2003Der verdächtige Abstrich in der Schwangerschaft: Einfachere Überwachungsmethoden

MEDIZIN: Diskussion

Der verdächtige Abstrich in der Schwangerschaft: Einfachere Überwachungsmethoden

Dtsch Arztebl 2003; 100(4): A-202

Egger, Herwig

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LNSLNS Es wird verlangt, bei einem Pap IV b oder V während der Schwangerschaft sofort eine histologische Klärung durch eine Konisation auszuführen. Nur bei einem Viertel der Patientinnen, die während der Schwangerschaft konisiert wurden, konnten die Veränderungen im Gesunden exstirpiert werden. Bei der Mehrheit, drei Viertel der Frauen, musste die Behandlung nach der Schwangerschaft durch eine Nachoperation erfolgen. Die Konisation in der Schwangerschaft ist also nur zu 25 Prozent eine ausreichende diagnostische und therapeutische Methode; sie ist es im Durchschnitt (Angaben der deutschen pathologischen Institute) auch außerhalb der Schwangerschaften nur in 45 bis 50 Prozent der Fälle. Weiterhin, so die Autoren, bestehe die Gefahr bei der kolposkopisch gesteuerten Biopsie ein invasives Karzinom zu übersehen und daher müsse konisiert werden. Das deckt sich nun gar nicht mit ihrer Beobachtung, dass in drei Viertel der Konisationsfälle die Krankheit nicht voll erfasst wird, also auch hier invasive Karzinome übersehen werden. Es gibt bessere und zielführendere und in der Schwangerschaftsvorsorge viel einfachere Methoden der Überwachung, zum Beispiel die Portioabschabung und die Zervixkürettage mit einem wesentlich geringeren Trauma und Infektionsrisiko an der Zervix. Wir haben noch nicht eine einzige Frau in der Schwangerschaft konisiert. Wir haben noch kein einziges Karzinom in der Schwangerschaft übersehen. Die apodiktische Feststellung, dass die Konisation bei den genannten mangelhaften Erfassungsdaten das Mittel der Wahl sei, ist schlicht intellektuell unverständlich. Ich empfehle den Autoren, die Ergebnisse der Portioabschabung und Zervixkürettage in der Arbeitsgruppe Michalzik, Ober, Kindermann, Egger und andere aus der Erlanger und Kölner Frauenklinik zu überdenken.

Prof. Dr. med. Herwig Egger
Klinikum Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz
Postfach 17 63, 92307 Neumarkt in der Oberpfalz

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