ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2003Verschluckte Münzen im Magen: Größere Münzen entfernen

MEDIZIN: Diskussion

Verschluckte Münzen im Magen: Größere Münzen entfernen

Dtsch Arztebl 2003; 100(4): A-203 / B-185 / C-181

Schreiber, Rainhard; Eiden, Annette

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LNSLNS Mit großem Interesse konnten wir dem Artikel entnehmen, dass im Falle einer Ingestion die neuen Euro-Münzen gegenüber der alten deutschen Währung Vorteile bieten: dass nämlich von Kleinkindern verschluckte Münzen nur wenig korrodieren und somit problemlos mehrere Tage im Säuremilieu des Magens verweilen können. Sie bleiben – im Gegensatz zum amerikanischen Cent-Stück – an den Kanten stumpf, und die Menge an herausgelöstem Metall bleibt für Kinder unbedenklich.
Dieser guten In-vitro-Botschaft möchten wir einige praktische In-vivo-Überlegungen anfügen: Nach unserer Erfahrung ist die Größe der geschluckten Münze beim Kleinkind grundsätzlich entscheidend für die Indikation zur gastroskopischen Entfernung. Seit 1986 beobachten wir, dass Münzen mit einem Durchmesser von weniger als 20 mm in allen Altersgruppen den Pylorus und damit den anschließenden Darmtrakt problemlos passieren. Bei größeren Münzen muss speziell im Kleinkindalter mit Komplikationen gerechnet werden. Dies betrifft die 5-, 20- und 50-Cent-Münzen sowie die 1- und 2-Euro-Stücke, deren Durchmesser zwischen 21 und 26 mm liegen. Selbst bei noch so geringer Korrosionstendenz ist bei diesen Münzen nicht unbedingt mit einer problemlosen Magen-Darm-Passage zu rechnen. Daher empfehlen wir bei Kindern zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr die endoskopische Entfernung der verschluckten Münzen mit mehr als 20 mm Durchmesser innerhalb von 24 bis 72 Stunden, auch unter dem Aspekt, dass durch jeden Fremdkörper – auch ohne Korrosion – eine erosive Schleimhautläsion hervorgerufen werden kann. Im Übrigen werden Eltern es kaum akzeptieren, wenn ihnen nach einwöchiger „Stuhlkontrolle“ eröffnet wird, dass die Münze nun doch gastroskopisch entfernt werden muss.
Bei Kleinkindern mit Verdacht auf Münzingestion lassen wir eine Röntgen-übersicht vom Unterkiefer bis Beckenkamm anfertigen, bei der ein Messstreifen mit Millimetergraduierung zur Identifizierung der Münzen mitbelichtet wird. Je nach Münzgröße wird elektiv – jedoch innerhalb eines Zeitraums von 1 bis 3 Tagen – eine gastroskopische Entfernung der ingerierten Münze geplant, wobei unmittelbar vor dem Eingriff nochmals durch eine Röntgenkontrolle geklärt wird, ob sich der Fremdkörper überhaupt noch im Magen befindet.

Prof. Dr. med. Rainhard Schreiber
Dr. med. Annette Eiden
Kinderklinik am Klinikum Starnberg
Oßwaldstraße 1, 82319 Starnberg

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