ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2003Verschluckte Münzen im Magen: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Verschluckte Münzen im Magen: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2003; 100(4): A-203 / B-185 / C-181

Muensterer, Oliver J.; Wallner, Claus-Peter

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LNSLNS Wir danken Herrn Schreiber für das Interesse und die praktischen Anmerkungen. Allgemein wird angegeben, dass bei Erwachsenen eine Pyloruspassage bei Münzen von mehr als 25 mm Durchmesser nicht zu erwarten ist (1, 2). Leider fehlen entsprechende publizierte Daten bei Kindern, jedoch decken sich die Beobachtungen von Herrn Schreiber mit den unseren, dass Münzen kleiner als 20 mm ohne Probleme auch bei pädiatrischen Patienten in den Dünndarm transportiert werden. Die Retentionsgefahr scheint allerdings auch bei den größeren Münzen gering, wenn nicht zusätzliche Probleme wie beispielsweise eine vorangegangene Pyloromyotomie vorliegen (3). Ein auf dem Röntgenbild mitbelichteter Messstreifen ist eine originelle Idee, um eine Größenabschätzung zu ermöglichen. Wegen des divergenten Strahlenkegels muss allerdings mitberücksichtigt werden, in welcher Ebene sich eine solche Kalibrierung im Vergleich zu der Münze befindet. Zur Minimierung der Strahlenexposition propagieren wir jedoch zunächst die Abdomenaufnahme in einer Ebene. Nur falls sich hierbei kein Nachweis eines röntgendichten Fremdkörpers ergibt, wird der Pharynx und Thorax seitlich geröntgt. Nützlich hat sich auch der Einsatz eines Metalldetektors zur Verlaufskontrolle der Münzpassage durch den Gastrointestinaltrakt erwiesen, wodurch dem Kind unter Umständen eine weitere Röntgenuntersuchung erspart werden kann (4). Bei der Frage, wann eine endoskopische Bergung unternommen werden soll, gibt es unterschiedliche Angaben. Nach den neuesten Leitlinien kann ein stumpfer Fremdkörper über eine Woche im Magen beobachtet werden, bevor eine endoskopische Bergung indiziert ist (2). Letztlich gibt es dazu bisher noch keine kontrollierten Studien, sodass im Einzelfall die Entscheidung beim behandelnden Arzt und der betroffenen Familie liegt.

Literatur
1. Bassett KE, Schunk JF, Logan L: Localizing ingested coins with a metal detector. Am J Emerg Med 1999; 17: 338–341.
2. Glenn M, Eisen GM, Baron TH, Dominitz JA et al.: Guideline for the management of ingested foreign bodies. Gastrointest Endosc 2002; 55: 802–806.
3. Koch H: Operative endoscopy. Gastrointest Endosc 1977; 24: 65–68.
4. Stringer MD, Kiely EM, Drake DP: Gastric retention of swallowed coins after pyloromyotomy. Br J Clin Pract 1991; 45: 6667.

Dr. med. Oliver J. Muensterer
Dr. med. Claus-Peter Wallner
Klinikum der Universität München
Kinderchirurgische Klinik im
Dr. von Haunerschen Kinderspital
Lindwurmstraße 4, 80337 München

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