ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2003Schulaufenthalt im Ausland: Die Qual der Wahl

VARIA: Bildung und Erziehung

Schulaufenthalt im Ausland: Die Qual der Wahl

Dtsch Arztebl 2003; 100(4): A-206 / B-188

Bühring, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Als Austauschschüler in ein anderes Land zu gehen ist meist lehrreich. Rund 40 Organisationen helfen dabei – die Wahl ist nicht leicht.

Die Vorteile eines Schulaufenthalts im Ausland sind offensichtlich: Fremdsprachenkenntnisse verbessern, eine fremde Kultur kennen lernen und vielleicht Freunde fürs Leben finden. Viele Eltern ermöglichen ihren Kindern inzwischen einen Schulbesuch in einem anderen Land. Rund
13 000 deutsche Schüler gingen im Schuljahr 2001/2002 für einige Monate bis zu einem Jahr ins Ausland. Das größte Interesse besteht für die englischsprachigen Länder. An der Spitze steht die USA, in die es 70 Prozent der Schüler zog. Der Rest verteilt sich auf Kanada, Australien, Neuseeland, England, Frankreich, Spanien und andere Länder.
Sprachkenntnisse werden bei den meisten Programmen vorausgesetzt – ein Grund für die Beliebtheit der englischsprachigen Länder. Organisiert werden die Auslandsschulaufenthalte von rund 40 Anbietern, die zusammen mit Partnerorganisationen vor Ort Jugendliche an Schulen und Gastfamilien vermitteln. Die Vielzahl der Austauschorganisationen ist verwirrend. Hilfe bei der Auswahl bietet die gemeinnützige Ver-
braucherschutzeinrichtung für Bildungsfragen „Aktion Bildungsinformation e.V.“ (ABI), Stuttgart. Der Verein berät telefonisch und veröffentlicht in der Broschüre „Schuljahresaufenthalte in den USA“ jedes Jahr eine Übersicht der Organisationen, ihrer Programme, Preise und Leistungen. ABI geht auch gegen unzulässige Vertragsbedingungen und Wettbewerbsverstöße vor und sortiert „schwarze Schafe“ aus. Für das Schuljahr 2002/2003 wurde erstmals die Broschüre „Schulbesuch weltweit“ erstellt. Eine der größten dort vorgestellten Organisationen ist das „Deutsche Youth for Understanding Komitee e.V.“ (YFU), Hamburg, das mit Partnerorganisationen in rund 35 Ländern Schüleraustauschprogramme organisiert. Jährlich entsendet YFU rund 1 500 Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren ins Ausland. Der seit 1957 tätige gemeinnützige Verein ist als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt.
Einige Organisationen die in die USA vermitteln, stellen sich auf den regelmäßig durchgeführten „Youth Exchange Fairs“ vor, die das Council Education USA in Berlin veranstaltet, ein unabhängiger Beratungsdienst, der im Auftrag des Referats für Bildungsinformation des US-Außenministeriums arbeitet. Das Council ist mit Beratungszentren in den Amerika-Häusern in Berlin, Köln und Frankfurt sowie im US-Generalkonsulat in Leipzig vertreten. Dort wird nicht nur über Aufenthalte an High Schools informiert, sondern auch über Studienmöglichkeiten sowie Jobs und Praktika bei amerikanischen Unternehmen.
Eine gute Adresse sind auch die Carl Duisberg Centren (CDC), die Austauschprogramme an öffentliche und private High Schools in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland organisieren. Die gemeinnützige Gesellschaft, mit langjähriger Erfahrung in der interkulturellen Erwachsenenbildung, stellt für die „High School Years“ in die USA auch Teilstipendien zur Verfügung.
Nichts geht über persönliche Erfahrungen: Im Internet stellt www.auslandsschuljahr. de ein Forum für Austauschschüler zur Verfügung. Gechattet werden kann in den Gruppierungen „Zukünftige“ (Austauschschüler), „Glückliche“ und „Ehemalige“. Auch für Eltern gibt es ein Forum. Bei dem anbieter- und verlagsunabhängigen Forum können per E-Mail auch die Kataloge der Austauschorganisationen angefordert werden.
Ein günstiger Zeitpunkt für einen Schulbesuch im Ausland ist für Gymnasiasten nach Abschluss der zehnten Klasse. Dann ist eine Beurlaubung meist problemlos. Eine Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) ist möglich, wenn der Schüler länger als ein halbes Jahres im Gastland bleibt.
Die Kosten eines Auslandsaufenthalts unterscheiden sich je nach Land. Rund 5 500 Euro kostet ein Jahr in den USA, an öffentlichen Schule, die keine Schulgebühren erheben, und bei ehrenamtlich arbeitenden Gastfamilien. Bei privaten und Konfessionsschulen kommen noch Schulgebühren zwischen 8 000 und 25 000 US-Dollar hinzu. Privat kann der Aufenthalt nicht organisiert werden, da nur die Austauschorganisationen das für den Visumsantrag nötige „IAP-66“-Formular ausstellen dürfen. Im Gegenzug unterliegen die Organisationen der Kontrolle des Council on Standards for International Educational Travel (CSIET), eines Kontrollausschusses der High Schools, Austauschorganisationen und der US-Regierung. Auf seiner Homepage (www.csiet.org) veröffentlicht das private gemeinnützige Council jährlich eine Liste mit den geprüften Austauschorganisationen (CSIET advisory list).
Mindestens 12 000 Euro müssen Eltern für ein Jahr in Australien und Kanada ausgeben. Dort gibt es kaum „kostenfreie“ Schulplätze, weil aufgrund eines Austauschabkommens nur so viele Deutsche in das jeweilige Land reisen dürfen, wie von Australien und Kanada nach Deutschland kommen. Die Gastfamilien erhalten zudem eine Aufwands-
entschädigung. Mit vergleichbaren Kosten muss man auch für ein Jahr in England, Irland und Neuseeland rechnen. Für ein Schuljahr in Frankreich und Spanien müssen, wie in den USA, weder Schulgebühren gezahlt werden, noch erhalten die Gastfamilien Geld. Dennoch erheben die Vermittler rund 5 500 Euro.
Wessen Eltern nicht über die finanziellen Mittel verfügen oder wer sich nicht für einen längeren Zeitrum vom vertrauten Zuhause trennen will, hat noch eine andere Möglichkeit, fremde Kulturen kennen zu lernen: einen Gastschüler aufnehmen. Allein das YFU vermittelt jährlich rund 500 Schüler, vor allem aus den USA, aber auch aus Südamerika, Asien und Europa für ein Jahr an Gastfamilien in Deutschland. Vielleicht wird man ja auf einen Gegenbesuch eingeladen. Petra Bühring


Adressen:
ABI Aktion Bildungsforum e.V.
Alte Poststraße 5
70173 Stuttgart
Telefon: 07 11/22 02 16 30
Fax: 07 11/22 02 16 40
Internet: www.abi-ev.de
Deutsches Youth for Understanding Komitee e.V.
Postfach 76 21 67, 22069 Hamburg
Telefon: 0 40/22 70 02 0
Fax: 0 40/22 70 02 27, E-Mail:
info@yfu.de, Internet: www.yfu.de
Council Education USA im Amerika-Haus Berlin
Hardenbergstraße 22–24
10623 Berlin, Telefon und Fax: 0 30/313 27 32, E-Mail:
edusa.berlincouncilexchanges.de
Internet: www.educationusa.de
Carl Duisberg Centren
Abt. High School Year
Hansaring 49–5, 50670 Köln
Telefon: 02 21/1 62 62 41
Fax: 02 21/1 62 62 56
E-Mail: highschool@cdc.de
Internet: www.cdc.de
www.auslandsschuljahr.de
www.csiet.org
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema