ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2003Krankenkassen: Die Wechselmodalitäten

Versicherungen

Krankenkassen: Die Wechselmodalitäten

Dtsch Arztebl 2003; 100(4): [95]

Büser, Wolfgang

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Höhere Kassenbeiträge trotz Beitragsstopp? Foto: Becker&Bredel Fotoagentur
Höhere Kassenbeiträge trotz Beitragsstopp? Foto: Becker&Bredel Fotoagentur
Unabhängig davon, dass Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt (SPD) den gesetzlichen Krankenkassen grundsätzlich verboten hat, ihre Beiträge anzuheben, wird es wohl zum Jahreswechsel 2003 oder kurz danach zu Beitragssatzerhöhungen kommen. Dies deshalb, weil entweder die Beschlüsse der Kassenverwaltungsräte darüber bereits gefasst waren oder weil die Krankenkasse sonst ihre Leistungen nur noch bei Aufnahme eines Kredits erbringen könnte – was nach wie vor zu einer Heraufsetzung berechtigt. Einige Betriebskrankenkassen wurden sogar behördlich verpflichtet, ihre Beitragssätze anzuheben. Aus den höheren Beiträgen resultiert für die Versicherten das Recht, der bisherigen Krankenkasse den Rücken zu kehren und sich eine kostengünstigere zu suchen.
Wird der Beitragssatz einer Krankenkasse beispielsweise zum 1. Januar 2003 heraufgesetzt, so können ihre Versicherten bis zum 31. Januar 2003 erklären, dass sie nicht mehr dort versichert sein wollen. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate, also bis zum 31. März 2003. Ab April 2003 gehen die Beiträge dann an die neue Krankenkasse. Entsprechendes gilt bei späteren Erhöhungsstichtagen.
Darüber hinaus haben die gesetzlich Krankenversicherten das Dauerrecht, sich einer anderen Versicherung anzuschließen. Dies ist ebenfalls mit zweimonatiger Überlegungsfrist möglich. Wer also bereits den 1. Februar 2003 als Wechseldatum ausersehen hat, der müsste das seiner bisherigen Krankenkasse bis spätestens zum 30. November 2002 mitgeteilt haben. Diese Wechselmöglichkeit besteht unabhängig von einer Beitragserhöhung, wenn bei derselben Krankenkasse bereits 18 Monate lang eine Mitgliedschaft besteht.
Ob nach einer Beitragserhöhung oder ohne diesen Anlass: Der bisherigen Krankenkasse muss bis spätestens zum letzten Tag der Mitgliedschaft eine Bescheinigung der neu gewählten Krankenkasse vorgelegt werden, dass dort nun Versicherungsschutz besteht. Ist das nicht der Fall, läuft die Mitgliedschaft bei der alten Krankenkasse weiter. Wer sich also mit seiner Kündigung „vergaloppiert“ und in der Kündigungsfrist nichts Besseres gefunden hat, der steht nicht ohne Versicherungsschutz da. An die neue Krankenkasse ist der gesetzlich Krankenversicherte dann auch 18 Monate gebunden – es sei denn, diese würde nun ihrerseits eine Beitragserhöhung beschließen. Dann käme wieder das Sonderkündigungsrecht zum Zug.
Eine dritte Wechselmöglichkeit besteht beim Wechsel des Arbeitgebers. In diesem Fall bleibt allerdings nur während der ersten 14 Tage im neuen Job Zeit zum Kündigen. Hat ein Arbeitnehmer aber schon nach dem 31. Dezember 2001 die Kasse gewechselt und tritt dann den neuen Job an, so kann er nur wechseln, wenn er bei der bisherigen Krankenkasse wenigstens 18 Monate versichert war.
Eine Liste der Beitragssätze der gesetzlichen Krankenkassen kann bei der Stiftung Warentest unter der Faxnummer 01 90/51 00 10 86 39 (0,62 Cent/Minute) abgerufen oder im Internet unter der Adresse www.stiftung-warentest.de (2,50 Euro) eingesehen werden. Auch die Verbraucherberatungsstellen halten Informationsmaterial bereit. Wolfgang Büser
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