ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2003Dubioses Ärzteverzeichnis: Geld zurück

SEITE EINS

Dubioses Ärzteverzeichnis: Geld zurück

Dtsch Arztebl 2003; 100(5): A-221 / B-201 / C-193

Flintrop, Jens

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Dass die Geschäftspraktiken der „Stebo Expert – Gesellschaft für Medien mbH“ ziemlich unlauter sind, ist keine neue Erkenntnis. Dennoch gelang es der Wieslocher Firma über Jahre hinweg, mit dubiosen Einträgen in ihr Ärzteverzeichnis Geld zu ergaunern. Und das relativ unbehelligt von der Justiz. Damit sollte nun Schluss sein: Unterstützt von der Stiftung Gesundheit in Kiel, die auch anderen Geprellten ihre Hilfe anbietet, hat eine Ärztin erfolgreich gegen die Stebo Expert geklagt (Amtsgericht Wiesloch, Az.: 4 C 108/02).
Viele Ärzte kennen die „Korrekturofferte“, die der Adresshändler von Zeit zu Zeit unaufgefordert verschickt. Darin wird der Empfänger aufgefordert, den Textvorschlag für den „beliebten und bekannten“ Eintrag ins „Deutsche Ärzteverzeichnis“ zu prüfen und zu korrigieren. Auch wenn sich der Text nicht geändert habe, sei die „Korrekturofferte“ sofort zurückzusenden, da sonst kein „Standardeintrag“ möglich sei. Nur klein gedruckt zu lesen ist, dass die Rücksendung der Offerte einen Eintragungsauftrag darstellt. Die Gebühr dafür beträgt 189,18 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer je Auflage. Der Vertrag verlängert sich zudem jeweils um ein Jahr, wenn nicht drei Monate vor Ende des Vertragsablaufes schriftlich gekündigt wird.
Auch im konkreten Fall hatte Stebo Expert einer Ärztin den scheinbar kostenfreien Adresseintrag angeboten und sorgsam verschleiert, dass dieses Angebot massive Kosten ohne sinnhafte Leistung auslöst. Nach Rücksendung des Korrekturbogens verlangte die Firma die Eintragungsgebühr von der Ärztin und trieb das Geld mit aggressiven Schreiben und sogar Pfändungsdrohungen ein. Die Ärztin wandte sich daraufhin an das Medizinrechts-Beratungsnetz der Stiftung Gesundheit. „Wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Falles haben wir ihr dann Rechtsschutz gewährt und den Fall für sie durchprozessiert“, sagt Dr. Peter Müller, Sprecher der Stiftung Gesundheit. Weil die Firma derart aggressiv gegen Ärzte vorgehe, habe man auch strafrechtliche Schritte eingeleitet. Stebo Expert hat das Geld inzwischen samt Zinsen zurückgezahlt.
Ärzte, die ebenfalls Opfer betrügerischer Angebote geworden sind, können sich unter der kostenfreien Rufnummer 08 00/0 73 24 83 an das Medizinrechts-Beratungsnetz der Stiftung Gesundheit wenden.
Jens Flintrop
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema