ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2003Hormonersatztherapie: Verordnungen gehen in den USA zurück

AKTUELL: Akut

Hormonersatztherapie: Verordnungen gehen in den USA zurück

Dtsch Arztebl 2003; 100(5): A-225 / B-205 / C-197

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die Ergebnisse der Women’s Health Initiative (WHI) zur postmenopausalen Hormonsubstitution – wonach die Inzidenz von Brustkrebs und Myokardinfarkt unter der Langzeitanwendung einer Östrogen-Gestagen-Kombination ansteigt – haben in den USA zu einer deutlichen Reduktion der Verordnungen geführt. Die Tendenz dürfte sich weiter verstärken, denn seit wenigen Tagen fordert die Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) Warnhinweise in den Arzneimittelschachteln aller Hersteller von Hormonpräparaten. Eine aktuelle Umfrage ergab, dass 36 Prozent aller Frauen in den ersten vier Monaten nach der Publikation im Juli 2002 (JAMA 2002; 288: 321–33) die Hormonbehandlung beendet haben. Die Abbruchrate lag damit viermal so hoch wie im vorausgehenden Jahr. Die FDA schätzt, dass immer noch zehn Millionen Frauen in den USA eine Hormonersatzbehandlung in der Postmenopause durchführen.

Nachdem die Behörde ihre Beurteilung der WHI-Studie abgeschlossen hat, fordert sie nun von allen Herstellern eine „boxed warning“ zu den
Hormonpräparaten – hierbei handelt es sich um die höchste Kategorie eines Warnhinweises im Beipackzettel. Dort werden die erhöhten Risiken bezüglich Herzerkrankungen, Herzinfarkt, Schlaganfall und Brustkrebs hervorgehoben. Es findet sich auch ein Hinweis darauf, dass die Medikamente nicht zur Prävention von Herzerkrankungen zugelassen sind. Dies waren sie auch vorher nicht. Doch unter US-Ärzten wurden die Hormone zu diesem Zweck „off-label“ eingesetzt.
Zu den aktuellen Indikationen der Hormonbehandlung führt die FDA aus:
- Behandlung von mäßigen bis schweren vasomotorischen Symptomen (wie „Hitzewallungen“) in der Menopause, also die typischen Wechseljahresbeschwerden. Hier besteht unverändert eine Indikation.
- Behandlung von mäßigen bis schweren lokalen Symptomen an Vulva und Vagina (Trockenheit und Irritationen). Wenn dies der einzige Behandlungsgrund ist, sollte topischen Präparaten der Vorzug gegeben werden.
- Prävention der postmenopausalen Osteoporose. Wenn die Präparate nur zu diesem Zweck eingesetzt werden sollen, ist generell anderen Behandlungsmöglichkeiten (ohne Östrogene) der Vorzug zu geben. Die Hormone dürfen nur noch dann verordnet werden, wenn die Risiken der Osteoporose größer sind als die Risiken der Behandlung. Rüdiger Meyer
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