ArchivDeutsches Ärzteblatt42/1996Vom Brüllfrosch zur Computermaus

VARIA: Technik für den Arzt

Vom Brüllfrosch zur Computermaus

Müllges, Kay

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LNSLNS Im zunehmenden Maße können Tierversuche im Studium durch Computersimulationen ersetzt werden. Ein neues Computerprogramm zeigt neben klassischen Versuchen mit Muskeln auch mögliche Einflüsse von Pharmaka auf das vegetative Nervensystem.


Für Biologen und Mediziner ist es seit Jahrzehnten ein Bestandteil des Grundstudiums: physiologische Praktika im Labor. Bis zu 50 000 Frösche und Ratten werden jährlich geopfert, um angehenden Medizinern die Grundlagen der Physiologie von Nerven und Muskeln zu vermitteln. Im Zeitalter von Multimedia könnte damit bald Schluß sein. In Bonn stellte jetzt das Bun­des­for­schungs­minis­terium ein Projekt vor, bei dem Skalpell und Pinzette durch die Computermaus ersetzt werden.


Nachgestellte Laborsituation
"Virtual Physiology" heißt das Leitprojekt, das von Wissenschaftlern der Universität Marburg in Zusammenarbeit mit dem Georg Thieme Verlag entwickelt wurde. Am PC-Monitor können jetzt Laborsituationen aus verschiedenen Bereichen der Physiologie nachgestellt werden. Alle Versuchsschritte von der Präparation bis zum eigentlichen Praktikum lassen sich nun am Personal Computer simulieren. "Die Akzeptanz bei den Studenten war sehr hoch, weil auf diese Weise Tierversuche vermieden werden. Außerdem haben die Prüfungsergebnisse gezeigt, daß der Lerneffekt nicht geringer ist als bei herkömmlichen Praktika", erläutert Martin Hirsch von der Universität Marburg die Vorteile des Programms. Bislang haben die Forscher vier Module für "Virtual Physiology" entwickelt. Neben den klassischen Versuchen mit Muskeln und Nerven des Frosches, an denen sich physiologische Reaktionen auf elektrische Reize untersuchen lassen, sind auch Simulationen möglich, die den Einfluß von Pharmaka auf das vegetative Nervensystem beschreiben. An der Universität Marburg ist man jetzt noch einen Schritt weiter gegangen. Denn solche Computersimulationen lassen sich nicht nur im Labor, sondern auch in der Lehre einsetzen. "Bislang haben wir etwa vierzig Module entwickelt, die Abläufe aus dem Bereich der Nerven- und Muskelphysiologie sowie Stoffwechselprozesse darstellen. Damit können wir jetzt multimediale Vorlesungen anbieten", so Martin Hirsch. Die Module bestehen aus Fotos, Grafiken, Videos und Tönen. Darstellungen lassen sich beliebig vergrößern und im Raum bewegen. So kann der Dozent beispielsweise das Bild einer Muskelfaser unter ein virtuelles Mikroskop legen oder es mit Hilfe einer Skalpellfunktion aufschneiden, um es näher zu untersuchen.
Einen schwerwiegenden Nachteil haben diese Systeme allerdings. Sie setzen voraus, daß der Professor über didaktische Fähigkeiten und über Computerkenntnisse verfügt. Kay Müllges

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