ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2003Koloskopie: Erfolg der Früherkennung

POLITIK: Kommentar

Koloskopie: Erfolg der Früherkennung

Dtsch Arztebl 2003; 100(5): A-235 / B-212 / C-204

Sieg, Andreas

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LNSLNS Erste Ergebnisse einer prospektiven Multicenterstudie liegen vor.

Am 1. Oktober 2002 wurde die EBM-Ziffer Nr. 156 (Früherkennungs-Koloskopie) bundesweit eingeführt und gemäß § 135 Abs. 2
SGB V mit Qualitäts­sicherungs­ver­ein­barungen zu Koloskopie verbunden. Personen ab dem vollendeten 55. Lebensjahr können sich präventiv kostenfrei untersuchen lassen. Damit ist Deutschland das erste Land weltweit, in dem die Vorsorge-Koloskopie in einem nationalen Krebsfrüherkennungsprogramm enthalten ist. Skeptiker hinterfragen noch heute den Sinn dieser Maßnahme. Deshalb wurde jetzt in einer prospektiven Multicenterstudie bei niedergelassenen Gastroenterologen die Prävalenz kolorektaler Neoplasien bei Personen mit und ohne familiäres Risiko untersucht. Erste Ergebnisse können hier bereits mitgeteilt werden.
Frühzeitige Entdeckung von Karzinomen
Es wurden Vorsorge-Koloskopien bei 557 asymptomatischen Personen (227 Frauen, 280 Männer) zwischen 50 und 60 Jahren ausgewertet. Fortgeschrittene Neoplasien (definiert als die Summe der Karzinome, großen Adenome größer als ein Zentimeter, villösen Adenome und Adenome mit hochgradiger Dysplasie) wurden bei zehn Prozent der Personen ohne Risiko und bei 19 Prozent der Personen mit familiärem Risiko (Verwandte ersten Grades mit Darmkrebs) entdeckt. Die Anzahl aller Neoplasien auch unter Einschluss kleiner Adenome betrug 22 Prozent bei Personen ohne und 36 Prozent bei Patienten mit familiärem Risiko. Es wurden sieben kolorektale Karzinome entdeckt, davon fünf in der Gruppe mit Risiko. Sechs der sieben Karzinome befanden sich im Stadium Duke’s A (T1N0 oder T2N0) und ein Karzinom im Stadium Duke’s B (T3N0). Bei zwei Patienten wurde der Tumor endoskopisch abgetragen, fünf Patienten wurden operiert. Bei allen Patienten lag somit ein frühes Stadium mit noch guter Prognose vor. Außerdem konnten in sieben Fällen Adenome mit hochgradigen Dysplasien Grad III (Ca. in situ der alten Nomenklatur) endoskopisch entfernt werden.
Auf die Frage, ob sie einer erneuten Untersuchung zustimmen würden, antworteten alle Patienten mit Ja. Als Komplikationen wurden lediglich zwei Blutungen nach Polypektomie, die endoskopisch gestillt wurden, beobachtet.
Durch die Vorsorge-Koloskopie können nicht nur Neoplasien frühzeitig entdeckt und gleichzeitig entfernt werden, sondern die Maßnahme ist auch für die Krankenkassen kosteneffizient:
Ausgaben: Es wurden 557 Koloskopien – im EBM mit 4 100 Punkten bewertet – durchgeführt. Rechnet man mit einem fiktiven Punktwert von 4,5 Cents, wie er ursprünglich vorgesehen war, der aber in den meisten KV-Bereichen durch den Honorarverteilungsmaßstab herabgestuft wird, kommt man auf eine Summe von 102 000 Euro.
Einsparungen: Diese resultieren daraus, dass Karzinome entweder durch endoskopische Abtragung von T1-Tumoren direkt entfernt oder durch Polypektomie von hochgradig dysplastischen Adenomen verhindert wurden. Die Kosten von Karzinomen im Stadium T1 und T2 wurden vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) mit 11 000 Euro pro Fall berechnet. Die mittleren Kosten für neu entdeckte Karzinome von Patienten, die nicht an Screening-Maßnahmen teilnehmen, werden auf 22 000 Euro geschätzt. Dementsprechend wurden Einsparungen (zwei Karzinome T1 und sieben Dysplasien Grad III) von 176 000 Euro erzielt.
Die Vorsorge-Koloskopie ist effizient bei der Entdeckung und Beseitigung kolorektaler Neoplasien, kostengünstig und wird von den Patienten gut angenommen. Prof. Dr. med. Andreas Sieg
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