ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2003Fallpauschalen: Schlafmedizin vor dem Aus
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Im Artikel „Das Ende der Barmherzigkeit . . .“ wird mit Recht auf die Verwerfungen hingewiesen, die durch die DRGs entstehen. Es werden unter dem Begriff der „poor dogs“ die Erkrankungen aufgeführt, deren Behandlung in Zukunft aufgrund ihrer niedrigen Erlöse nicht mehr rentabel sein werden. Als Spitzenreiter in dieser Sparte bleibt die „Schlafapnoe“ unerwähnt. Unabhängig von der Schwere des Befundes, den komplizierenden Begleiterkrankungen, ja sogar unabhängig von der evtl. Therapieeinleitung gibt es dafür im DRG-System ein Relativgewicht von 0,16, dies dürfte in etwa 400 Euro entsprechen.
Seit Jahren weist die Fachgesellschaft DGSM darauf hin, und fordert es auch in den ständigen Qualitätscurricula, dass die suffiziente Diagnostik und Therapie einer Schlafapnoe mit einem mindestens viernächtigen stationären Aufenthalt verbunden ist. Alle von der Fachgesellschaft akkreditierten Schlaflabore in Deutschland (aktuell 244) haben sich darauf eingestellt. Es ist völlig klar, dass mit dem oben genannten Erlös ein derartiges Vorgehen nicht mehr durchführbar sein wird. Die Schlafmedizin in Deutschland, die bisher mit führend weltweit war, wird so substanziell gefährdet.
Gleichzeitig ist aber auch zu vermerken, dass im nächsten Heft zum Thema „EBM 2000-plus“ darauf hingewiesen wird, dass mit den DRGs auch eine Angleichung der Vergütungssystematik von ambulantem und stationärem Bereich beabsichtigt wird. In diesem „EBM 2000plus“ sind nun neu auch Leistungen der Schlafmedizin enthalten. Für eine Polysomnographie sind 12 500 Punkte vorgesehen. Gemessen an diesem Wert, erbringen stationäre Schlaflabore aktuell bei der CPAP-bedürftigen Schlafapnoe eine Leistung von insgesamt ca. 35 000 bis
45 000 EBM-Punkten. Bei der geforderten Honorierung mit 5,11 Eurocent ergäbe sich daraus eine Summe von ca. 2 000 Euro im ambulanten Bereich.
Somit soll hier zukünftig für die stationäre Leistungserbringung nur ein Anteil von 20 % des ambulant erzielbaren Erlöses fließen. Dies ist mit der ins Auge gefassten Gleichstellung von ambulant und stationär erbrachter Leistung nicht vereinbar. Zur Sicherung der etablierten Schlafmedizin in Deutschland hoffe ich auf eine Angleichung der DRG-Erlöse auf den im ambulanten Bereich verhandelten Wert.
Dr. med. Maximilian Ludwig Bauer, Wessobrunner Straße 41,
81377 München
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige