ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2003Organasservation: Fragwürdig
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LNSLNS Die Darstellung der Rechtsgrundlagen und weiterführenden Anmerkungen bezüglich der Diskussion um die Asservation des Gehirns von Ulrike Meinhof vorbei an der Person Ulrike Meinhof und ihrer gesellschaftlichen Position halte ich für fragwürdig und vom eigentlichen Thema weit entfernt.
All unser Tun in der Medizin unterliegt der ethischen Grundlage der rechtfertigenden Indikation. Betrachtet man den „Fall“ Ulrike Meinhof, ein Selbstötungsdelikt durch Strangulation, stellt sich die Frage, welche Erkenntnis sich Gerichtsmediziner nach Jahren durch die Asservation eines wahrscheinlich hypoxischen Gehirns erwarten. Oder geht es hier viel eher um die Klärung der Pathogenese oder Behandlungsfehlerkonstellation, die die Autoren zum Schluss ansprechen? Vergegenwärtigt man sich die Aufgaben von Pathologie und Forensik, so obliegt ihnen die Festlegung der Definition von Normvarianten und Pathologien und damit die Zuordnung von Verantwortlichkeiten. Ein Mensch, der als krank definiert wird, steht außerhalb der Gesellschaft und unterliegt nicht ihrer Verantwortung. Politischer Widerstand nicht als Teil und Ausdruck der Gesellschaft, sondern als weit entfernte Entartung. In diesem Sinne wurden bei den damals noch lebenden Häftlingen in Stammheim forensisch-psych-
iatrische Gutachten erstellt. Die Wissenschaft im Dienste des Staates, auf der Suche nach der Entartung, in guter deutscher Tradition. Dieser Artikel ist Ausdruck für das völlig fehlende Bewusstsein, wie politisch Wissenschaft tatsächlich ist.
Die Asservation des Gehirns von Ulrike Meinhof diente sicher nicht der Wahrheitsfindung.
Kathrin Holzner, Liebigstraße 16, 10247 Berlin
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