ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2003Bildgebende Verfahren: Tomographen eröffnen neue Perspektiven

VARIA: Technik

Bildgebende Verfahren: Tomographen eröffnen neue Perspektiven

Dtsch Arztebl 2003; 100(5): A-279 / C-241

Menke, Wolfgang

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Flut dünnschichtiger Bilder

Bei den Computer- und der Kernspintomographen sind die Geräte ultraschnell, höchstpräzise und erzeugen superscharfe Bilder, mit großvolumiger Abdekkung und mehrdimensionaler Darstellung. Vorläufiger Höhepunkt sind Mehrschicht-CTs mit 16-Zeilen-Technologie und MRTs mit sehr homogenen Höchstfeld-Magneten von 3,0 Tesla. Mit ihnen verkürzt sich die Zeit für die Aufnahme der Schnittbilder gegenüber herkömmlichen Geräten um mehr als eine Größenordnung. Die Auflösung liegt inzwischen teilweise bei Strukturen von unter einem Millimeter. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Die möglichen diagnostischen Vorteile liegen auf der Hand: Beispielsweise kann nach Schlaganfällen die Durchblutungssituation von Gewebebereichen besser beurteilt werden. Bei kardialen Symptomen kann durch eine genaue Abklärung eine Herzkatheteruntersuchung vermieden werden. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings eine „ansteigende Flut dünnschichtiger Bilder“, die kanalisiert werden muss.
Technische Details
Mit 16 Detektoren können bei einer Rotationszeit von knapp einer halben Sekunde mit einem CT wie dem „Somatom Sensation 16“ bis zu etwa 32 Schichten je Sekunde aufgenommen werden. In nur knapp drei Jahren konnte Siemens damit die Rotationszeit halbieren und die Detektorzahl vervierfachen. Für eine hochauflösende Aufnahme der Lunge werden beispielsweise inzwischen nur noch etwa zehn Sekunden benötigt. So lange können die meisten Patienten in der Regel auch problemlos die Luft anhalten. In die gleiche Leistungsklasse fallen auch die Systeme der beiden anderen großen Anbieter. General Electric („Light Speed“) baut auf die sehr erfolgreiche Gerätegeneration mit der 8-Zeilen-Technologie auf. Philips („Mx8000“) kann auf das Know-how der Mehrschicht-Pioniere Elscint und Picker zurückgreifen. In Verbindung mit der Software HeartView CT von Siemens können nach Unternehmensangaben einzelne Schnittbilder des Herzens in bis zu 100 Millisekunden erfasst und mit einer Auflösung bis zu 0,5 Millimetern dargestellt werden. Dadurch wird eine Beurteilung der Koronargefäße bis in periphere Segmente und kleine Seitenäste möglich. Eine dreidimensionale Darstellung des Herzens und seiner Gefäße sowie ein virtueller Blick in die Arterien sind möglich. Auch die neue Generation der 3-Tesla-Kernspintomographen bietet den Kardiologen vollkommen neue Einblicke. Dabei wird die rein bildliche Darstellung immer mehr um Parameter der Funktion ergänzt, und zwar ohne Strahlenbelastung. Bisher war die Domäne von Höchstfeld-Anlagen mehr die Untersuchung des Gehirns. Auch bei anderen Organen, wie der Leber oder den Nieren, sind Aufnahmen mit hoher Bildqualität möglich. Mit steigender Feldstärke verbessert sich das Signal-Rausch-Verhältnis. Es ist aber keineswegs so, dass ein stärkerer Magnet allein eine höhere Bildqualität garantiert. Dazu müssen weitere Vorbedingungen wie eine hohe Feldhomogenität erfüllt sein. Auch bei den neuen MR-Anlagen über zwei Tesla ist wie bei den CTs das Trio der großen Anbieter führend. Bei den großen technischen Fortschritten der Schnittbildverfahren stellt sich die Frage, ob das konventionelle Röntgen nicht überflüssig wird. Derzeit hat aber die Computertomographie das konventionelle Röntgen nur bei der Strahlenbelastung eingeholt. Wolfgang Menke
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema