ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2003Rheumatoide Arthritis: Anakinra besetzt den Interleukin-1-Rezeptor

VARIA: Wirtschaft - Aus Unternehmen

Rheumatoide Arthritis: Anakinra besetzt den Interleukin-1-Rezeptor

Dtsch Arztebl 2003; 100(5): A-280

Mertens, Stephan

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Fortgeschrittene rheumatoide Arthritis: Zytokine sind an der Zerstörung des Gelenkknorpels beteiligt. Foto: Archiv
Fortgeschrittene rheumatoide Arthritis: Zytokine sind an der Zerstörung des Gelenkknorpels beteiligt. Foto: Archiv
Eine Hyperplasie der Synovialis mit vermehrter Gefäßbildung und der Infiltration von inflammatorischen Zellen, hauptsächlich CD4-Zellen, wird bereits in den Frühstadien der rheumatoiden Arthritis (RA) beobachtet. Zytokine spielen in dem Entzündungsprozess eine entscheidende Rolle. Neben Tumornekrosefaktor-a (TNF-a) und Interleukin-1 (IL-1) lassen neuere Forschungsergebnisse vermuten, dass auch
IL-6, IL-15 und IL-18 am inflammatorischen Geschehen involviert sind.
IL-1 ist ein Zytokin mit ausgeprägten inflammatorischen Eigenschaften. Bereits Plasmakonzentrationen von weniger als 1 pM (10–12 M) können bei Menschen zu Fieber, Kopfschmerz, Fatigue und Muskelschmerzen führen. IL-1 entfaltet seine Wirkung, indem es an den Interleukin-1-Rezeptor Typ 1 bindet. Hierdurch kann sich ein weiteres transmembranöses Eiweiß, das IL-1-Rezeptor-Accessory-Protein (IL-1RAcP), an den Rezeptor anlagern. Erst dieser Heterodimer löst eine intrazelluläre Signalkaskade aus, die zur Expression inflammatorischer Proteine führt.
Die proinflammatorische IL-1-Reaktion wird durch den IL-1-Rezeptorantagonisten (IL-1Ra) gehemmt. Dieses Molekül bindet am IL-1-Rezeptor und verhindert durch kompetitive Inhibition die Dimerbildung des Rezeptors und somit die intrazelluläre Weiterleitung des inflammatorischen Stimulus. Ob die durch IL-1 vermittelte Signaltransduktion stattfindet, kann vom Verhältnis Rezeptoragonist zu Antagonisten bestimmt werden und bietet somit einen möglichen therapeutischen Ansatz.
Anakinra ist ein von der Firma Amgen gentechnisch produzierter IL-1-Rezeptorantagonist. Dieses rekombinante Protein unterscheidet sich lediglich in einer Aminosäure und durch die Abwesenheit einer Glykosylierung von dem physiologischerweise vorkommenden Protein. Zellbiologische Forschungen haben ergeben, dass im rheumatoiden Gewebe ein Überschuss an IL-1 im Vergleich zu IL-1Ra – dem korrespondierenden Antagonisten – herrscht. Es wird vermutet, dass die durch IL-1 bedingte inflammatorische Signaltransduktion hierdurch aufrechterhalten wird. Anakinra kann nach Angabe von Amgen das molare Verhältnis von IL-1 zu IL-1Ra zugunsten des Antagonisten ausgleichen; die Entzündung klingt ab.
In drei placebokontrollierten randomisierten Studien mit 1 392 Probanden wurde die Wirksamkeit von Anakinra untersucht. Die Patienten litten an moderater bis schwerer rheumatoider Arthritis. Eine mindestens 20-prozentige Verbesserung der Symptomatik nach den Kriterien des American College of Rheumatology (ACR20-Kriterium) wurde als primärer Endpunkt definiert. In der European Monotherapy Study erreichten nach 24 Monaten etwa 28 Prozent aus der Placebogruppe und, je nach Dosierung (30 bis 150 mg Anakinra pro Tag), zwischen 34 und 43 Prozent aus der Verumgruppe den primären Endpunkt (ACR20-Kriterium). Die klinischen Verbesserungen hielten noch weitere 24 Wochen an.
Die Patienten in der Verumgruppe berichteten eine signifikante Verbesserung der Schmerzsymptomatik und der allgemeinen Gesundheit nach den Kriterien des Health Assessment Questionnaire. Während der 24-wöchigen Behandlung waren die IL-1-Ra-Patienten durchschnittlich pro Monat 2,3 Tage weniger durch die Erkrankung beeinträchtigt, an denen sie, im Gegensatz zur Placebogruppe, beruflichen oder häuslichen Aktivitäten nachgehen konnten.
In den folgenden 24 Wochen waren die Verumpatienten sogar 3,7 Tage mehr aktiv als die Probanden in der Vergleichsgruppe. Hautreaktionen an der Injektionsstelle waren die einzigen beobachteten Nebenwirkungen. In der Studie wurde weder eine Toleranzentwicklung noch eine erhöhte Drop-out-Rate gegen Ende der Untersuchung beobachtet.
In einer weiteren Studie mit 419 Patienten wurde untersucht, ob eine Kombinationsbehandlung von Anakinra mit Methotrexat (MTX) effektiver ist als eine MTX-Monotherapie. Nach der Randomisierung erhielten alle Patienten MTX sowie entweder ein Placebo oder 0,04, 0,1, 0,4, 1,0 beziehungsweise 2,0 mg Anakinra pro kg Körpergewicht. Nach zwölf Wochen verbesserte sich das Befinden in den Verumgruppen signifikant. In der 1-mg-Gruppe erreichten 46 Prozent das ACR20-Kriterium (2 mg: 38 Prozent), wohingegen dieser Wert bei MTX-Monotherapie von 19 Prozent erreicht wurde Dr. sc. nat. Stephan Mertens

Satellitensymposium „IL-1-Blockade: A new Promise in the Treatment of RA“ der Firma Amgen anlässlich der Jahrestagung des American College of Rheumatology in New Orleans
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema