ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2003Golf Variant Bi FUEL: Erster Volkswagen mit Erdgasantrieb ab Werk

VARIA: Auto und Verkehr

Golf Variant Bi FUEL: Erster Volkswagen mit Erdgasantrieb ab Werk

Dtsch Arztebl 2003; 100(5): A-283 / C-243

Seidel, Marc

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Nach Ford, Fiat und Volvo bietet auch VW Serienfahrzeuge mit umweltfreundlichem Antrieb an.

W er bisher einen Volkswagen mit Erdgas fahren wollte, musste sein Fahrzeug nachträglich umrüsten lassen. Das ist nun vorbei. Die Wolfsburger Autobauer bieten mit dem Golf Variant Bi FUEL ein Fahrzeug an, das bereits ab Werk für den Betrieb mit Erdgas eingerichtet ist.
Der neue Variant verfügt über einen so genanntem bivalenten Antrieb – er kann mit Erdgas als auch mit Benzin gefahren werden. Die notwendigen Erdgastanks sind aus kohlefaserverstärktem Kunstharz (CFK) gefertigt und somit um rund 50 Prozent leichter als herkömmliche Stahltanks. Zudem sind die Tanks platzsparend in der Mulde für das Ersatzrad untergebracht. Ganz ohne Laderaumverlust klappt das aber trotzdem nicht: Passen in einen herkömmlichen Golf Variant 460 bis 1 470 Liter Gepäck, sind es beim Variant Bi FUEL 275 bis 1 285 Liter.
Der Golf Variant Bi FUEL wird von einem 2-Liter-Vierzylindermotor angetrieben. Dieser leistet im Erdgasbetrieb 75 kW (102 PS) und verbraucht rund sechs Kilo Erdgas auf 100 Kilometer. Muss auf Benzin umgestellt werden, steigt die Leistung zwar auf 85 kW (115 PS). In dieser Antriebsart genehmigt sich der Variant aber 8,1 Liter Super auf 100 Kilometer. Die Gesamtreichweite des Fahrzeugs wird von VW mit 890 Kilometern angegeben, wobei das Erdgas nach 210 Kilometern aufgebraucht ist. Der Einstiegspreis für den Bi FUEL liegt bei 23 125 Euro, knapp 3 000 Euro mehr als für einen herkömmlichen Golf Variant mit 85-kW-(115-PS-) Benzinmotor.
Erdgastanks aus Kunstharz sind leichter. Das Tankstellennetz wird dichter. Fotos:VW
Erdgastanks aus Kunstharz sind leichter. Das Tankstellennetz wird dichter. Fotos:VW
Neben dem Erdgas gelten Wasserstoff oder Solarenergie als Alternativen für zukünftige Antriebsstoffe für Fahrzeuge aller Art. Doch bis zur Serienreife werden noch einige Jahre vergehen. Hier bietet Erdgas schon heute ein deutliches Potenzial zur Verringerung von Schadstoffemissionen an. Es verbrennt wesentlich sauberer als Benzin oder Diesel. Darauf setzen zahlreiche Hersteller schon beim Neukauf.
Dennoch muss die alternative Antriebsart auch für Besitzer älterer Fahrzeuge kein unerfüllbarer Wunsch bleiben. Viele Benzinfahrzeuge können nachträglich umgerüstet werden. Selbst bei einem alten Käfer ist die Umrüstung möglich. Ein Handicap sind zurzeit noch die voluminösen Gastanks. Stahltanks sind schwer und unförmig. Zunehmend werden aber – wie beim neuen Golf Variant – kohlefaserverstärkte Kunstharzbehälter eingesetzt.
Der höhere Kaufpreis für ein Erdgasfahrzeug dürfte vor allem für Vielfahrer kein Hinderungsgrund sein: Dem höheren Preis stehen deutlich geringere Treibstoffkosten gegenüber. Ein Kilogramm Erdgas kostet momentan knapp 64 Cent. Der günstige Preis ist dem Umstand zu verdanken, dass Erdgas noch bis zum Jahr 2009 einem wesentlich geringeren Mineralölsteuersatz unterliegt. Darüber hinaus fördern viele Gasversorger den Kauf eines Erdgasfahrzeugs mit bis zu 3 500 Euro oder bieten ein Tankguthaben an. Das Fahrzeug wird außerdem nach EU4 von der Kraftfahrzeugsteuer befreit.
Vor der Anschaffung eines erdgasbetriebenen Fahrzeuges muss jedoch die Frage nach der Verfügbarkeit des Treibstoffes, genau genommen nach dem Tankstellennetz beantwortet werden. Immerhin gibt es schon mehr als 300 Tankstellen, an denen auch Erdgas angeboten wird, und der Ausbau des Netzes geht zügig voran.
Die Tankstellen für CNG (Compressed Natural Gas) sollten aber nicht mit LPG-Zapfsäulen (Liquid Propane Gas) verwechselt werden. Diese sind vor allem in den Niederlanden, Belgien oder Frankreich weit verbreitet und befüllen Flüssiggasfahrzeuge. Marc Seidel
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