ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2003Familienplanung: Was bei Epilepsie zu beachten ist

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Familienplanung: Was bei Epilepsie zu beachten ist

Dtsch Arztebl 2003; 100(6): A-349

Leinmüller, Renate

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LNSLNS Epilepsiekranke Frauen sind bei der Familienplanung auf die Kooperation von Neurologen und Gynäkologen angewiesen. Einerseits bestehen bei klassischen Antikonvulsiva Interaktionen mit hormonellen Kontrazeptiva, andererseits sind erhöhte Fehlbildungsraten bei den Kindern dokumentiert. Da jedoch die Zahl von Major-Fehlbildungen mit der Zahl der eingenommenen Antikonvulsiva – und der Höhe ihrer Serumspiegel – steigt, ist in der Gravidität möglichst eine Monotherapie anzustreben.
Nach Angaben von Dr. Barbara Tettenborn (St. Gallen) ist das Malformationsrisiko durch eine Folsäure-Prophylaxe signifikant zu senken. Die Prophylaxe sollte mit dem Zeitpunkt des Kinderwunsches beginnen; sinnvoll ist der Start aber auch noch in den ersten vier Wochen der Schwangerschaft. Bis zum Ende des ersten Trimenons empfahl Tettenborn 2,5 bis 5 mg täglich.
Von den neuen Antikonvulsiva bestehe das größte Register in diesem Zusammenhang für Lamotrigin (Lamcital®), das in der Schwangerschaft nicht verabreicht werden sollte – es sei denn, dass in der Risikoabwägung mögliche Vorteile einer Therapie der Mutter die Risiken für den Fetus überwiegen. Schwangerschaften bei Epileptikerinnen sind nach Aussage von Tettenborn normalerweise nicht mit erhöhten Komplikationen, aber einem verdoppelten Malformationsrisiko (circa zwei Prozent) behaftet. Für Lamotrigin seien in einem prospektiven Register bei mehr als 500 Graviditäten keine spezifischen Fehlbildungen dokumentiert worden.
Die Erkrankung selbst ist keine Kontraindikation für eine natürliche Entbindung, solange nicht tägliche Anfälle vorliegen.
Bei jungen Mädchen mit zyklusabhängigen Anfällen ist bei periovulatorischer Häufung die Gabe monophasischer oraler Kontrazeptiva ohne „Pillenpause“ hilfreich. Treten die Anfälle dagegen in Zyklusmitte bis zweiter Zyklushälfte auf, ist eine Progesterondefizienz im Rahmen einer Lutealphasen-Insuffizienz abzuklären. Nach Erfahrungen von Dr. Anneliese Schwenkhagen (Hamburg) kann eine zeitlich abgestimmte Progesteron-Substitution in vielen Fällen Anfallsfreiheit bewirken.
Die klassischen Antikonvulsiva (Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin) beeinträchtigen durch Interaktionen die Sicherheit von Kontrazeptiva ganz erheblich – nicht nur bei der „Pille“ und der „Pille danach“, sondern auch hinsichtlich der Implantate und der Dreimonatsspritze. Die neueren Substanzen (Gabapentin, Levetiracetam, Lamotrigin, Tiagabin, Vigabatrin) zeichneten sich durch ein geringeres Interaktionspotenzial aus, sagte Steinhausen
Nach bisherigem Kenntnisstand, erklärte Dr. Stefan Stodieck (Hamburger Epilepsiezentrum), scheinen die neuen Antikonvulsiva mit Blick auf die Interaktionen mit oralen Kontrazeptiva besser abzuschneiden als die klassischen Präparate. Hinsichtlich der Teratogenität sei nach bisherigem Kenntnisstand und den Daten des prospektiven Registers Lamotrigin als das derzeit sicherste Antiepileptikum in der Schwangerschaft einzustufen. Dr. Renate Leinmüller

Pressekonferenz „Epilepsie-Therapie und weiblicher Hormonhaushalt“ der Firma GlaxoSmithKline in Mannheim
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