ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2003Schmerztherapie: Fixe Kombination hat opioidsparenden Effekt

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Schmerztherapie: Fixe Kombination hat opioidsparenden Effekt

Dtsch Arztebl 2003; 100(6): A-348

Vetter, Christine

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LNSLNS Bei der Schmerztherapie ist spätestens ab der Stufe 2 des WHO-Stufenschemas (Welt­gesund­heits­organi­sation) eine Kombinationstherapie indiziert, wobei in aller Regel ein Opioid eingesetzt und mit einem primär peripher wirksamen Analgetikum der Stufe 1 kombiniert wird. Bislang werden die Kombinationspartner weitgehend frei gewählt. Günstiger aber wäre es, wenn die Therapie mit einer fixen Kombination erfolgen würde, bei der die einzelnen Wirkstoffe qualitativ und quantitativ gut aufeinander abgestimmt sind und die sich bereits in Studien bewährt hat. Durch eine solche Kombination können dann additive und überadditive Effekte der einzelnen Analgetika genutzt werden, hieß es bei einem Pressegespräch der Firma Grünenthal.
Da durch die additiven oder sogar synergistischen Wirkungen die Monosubstanzen niedriger dosiert werden können, ist bei fixen Kombinationen nach Aussage von Dr. Jan-Peter Jansen (Berlin) bei vergleichbarer Wirksamkeit eine bessere Verträglichkeit zu erwarten. Als deutlichen Fortschritt bewertet der Schmerztherapeut vor diesem Hintergrund die fixe Kombination von Tramadol (37,5 mg) und Paracetamol (325 mg), die von der Grünenthal GmbH im kommenden Jahr unter dem Warenzeichen Zaldiar ausgeboten wird. Das Präparat ist indiziert zur Behandlung moderater bis schwerer Schmerzen und nutzt nicht nur die unterschiedlichen Mechanismen der Schmerzlinderung von Tramadol und Paracetamol, sondern auch deren unterschiedliche kinetische Eigenschaften. Denn Paracetamol gewährleistet einen schnellen Wirkeintritt und führt in aller Regel bereits innerhalb von nur 20 Minuten zur Schmerzlinderung. Charakteristisch für das Tramadol ist dagegen eine über rund fünf Stunden anhaltende Analgesie, sodass die Schmerzpatienten unter der fixen Kombination der beiden Analgetika eine rasche und anhaltende Schmerzlinderung erfahren.
Dies bestätigen die klinischen Studien, die Dr. Serge Perrot (Paris) vorstellte. So zeigt eine Studie bei 462 Patienten mit Lumbalgie oder Osteoarthrose, die vier Wochen lang doppelblind randomisiert entweder die Kombination aus Tramadol und Paracetamol erhielten, oder eine Kombination von Kodein und Paracetamol, in beiden Gruppen eine vergleichbare klinische Wirksamkeit. In der Tramadol/Paracetamol-Gruppe aber wurden weniger Nebenwirkungen registriert, die Patienten klagten insbesondere seltener über eine Obstipation und über Schläfrigkeit.
Damit sind vor allem opioidtypische Nebenwirkungen unter der Kombinationstherapie seltener ein Problem. Das belegt eine zweite von Perrot präsentierte im Doppelblindversuch durchgeführte Studie, in die 119 Patienten mit subakuten Rückenschmerzen eingeschlossen wurden. Sie wurden zehn Tage lang mit der fixen Kombination, oder im Rahmen einer Monotherapie mit 50 mg Tramadol, behandelt. Sie konnten dabei die Dosierung bis zur Schmerzfreiheit frei wählen (ein bis zwei Tabletten bis zu viermal täglich nach Bedarf).
In beiden Gruppen wurde somit eine effektive Schmerzlinderung erwirkt, wobei sich jedoch ein eindeutiger opioidsparender Effekt unter der Fixkombination ergab. So benötigten die Patienten in der Verumgruppe nur durchschnittlich 165 mg Tramadol bis zur Schmerzfreiheit gegenüber 214 mg unter der Monotherapie.
Der Unterschied erklärt nach Aussage von Perrot die deutlich geringere Rate opioidtypischer Nebenwirkungen in der Verumgruppe. Vor allem typische Begleitreaktionen wie Übelkeit und Erbrechen, Schläfrigkeit, Verstopfung und Schwitzen wurden eindeutig seltener als Nebenwirkung angegeben. Die Fixkombination erwies sich nach seinen Worten damit bei vergleichbarer Schmerzlinderung als deutlich verträglicher gegenüber der alleinigen Opioidgabe. Christine Vetter

Pressegespräch: „Die neue Tramadol-Paracetamol-Kombination von Grünenthal“ anlässlich des Deutschen Schmerzkongresses 2002 in Aachen
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