ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2003Die Euthanasie und die späte Unschuld der Psychiater. Massenmord, Bedburg-Hau und das Geheimnis rheinischer Widerstandslegenden

BÜCHER

Die Euthanasie und die späte Unschuld der Psychiater. Massenmord, Bedburg-Hau und das Geheimnis rheinischer Widerstandslegenden

Dtsch Arztebl 2003; 100(6): A-323

Hermeler, Ludwig

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS NS-Geschichte
Leid der Opfer
Ludwig Hermeler: Die Euthanasie und die späte Unschuld der Psychiater. Massenmord, Bedburg-Hau und das Geheimnis rheinischer Widerstandslegenden. Klartext Verlag, Essen, 2002, 298 Seiten, gebunden, 29,90 €
Die Heil- und Pflegeanstalt Bedburg-Hau war mit 3 500 Betten die größte psychiatrische Einrichtung des Deutschen Reiches. Die Patienten wurden ab 1940 nach und nach zur Ermordung abtransportiert. Bedburg-Hau wurde Marine-Lazarett.
Im Rheinland wurde über Jahrzehnte die Legende gepflegt, man habe Widerstand geleistet und viele Anstaltsinsassen gerettet. Walter Creutz, Medizinaldezernent des Provinzialverbandes, galt als Lichtgestalt des rheinischen Widerstands. In Wahrheit versuchte NSDAP-Mitglied Creutz Patienten selbst dann noch (in den sicheren Tod) abzuschieben, als die massenhafte Ermordung Behinderter reihum bekannt war. Hermeler: „Nicht Berlin“, gemeint ist die Berliner Euthanasie-Zentrale, „befahl die Verlegungen. Creutz suchte um Verlegungen nach.“ Bedburgs Direktor Arthur Trapet beklagte sich noch im Oktober 1944 bei Creutz, dass die NSDAP-Kreisleitung nicht für die Abbeförderung weiterer Patienten sorge. Nach 1945 wollten dann alle im Widerstand gewesen sein und bekamen dies per Gerichtsurteil auch bescheinigt.
Der Band wird vom Archiv des Landschaftsverbandes Rheinland in der Reihe „Rheinprovinz. Dokumente zur Geschichte der rheinischen Provinzialverwaltung und des Landschaftsverbandes Rheinland“ herausgegeben. Ein Buch, das nicht die Verantwortlichen verklärt, sondern das Leid der Opfer ernst nimmt. Ernst Klee
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema