ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2003C-reaktives Protein: US-Gremien lehnen Screening ab

AKTUELL: Akut

C-reaktives Protein: US-Gremien lehnen Screening ab

Dtsch Arztebl 2003; 100(6): A-293 / B-261 / C-253

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Auch wenn immer mehr Experten zu der Überzeugung gelangen, dass die Atherosklerose eine primär entzündliche Erkrankung und damit das C-reaktive Protein (CRP) ihr wichtigster Marker ist, besteht für ein allgemeines Screening aller Erwachsenen derzeit kein Anlass. Zu diesem Schluss kommt eine gemeinsame Arbeitsgruppe der American Heart Association (AHA) und der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Circulation (2003; 107: 499–511). CRP gilt als der wichtigste Entzündungsmarker im Blut. Verschiedene Studien aus den letzten Jahren kamen zu dem Ergebnis, dass ein CRP-Anstieg ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko anzeigt. Ein Wert in der oberen Tertile zeigt etwa eine Verdopplung des relativen Risikos an, das unabhängig von den derzeit etablierten Risikofaktoren ist. Viele Ärzte – aber auch Patienten, die in der Zeitung von diesen Studien gelesen haben – fragen sich, ob ein Screening aller Erwachsenen nicht ebenso wichtig wäre wie die Bestimmung von Blutdruck und Cholesterinwert.

Die AHA/CDC-Arbeitsgruppe um Thomas Pearson ist jedoch der Ansicht, dass zurzeit keine Notwendigkeit für ein CRP-Screening als allgemeine Gesundheitsvorsorge besteht, wobei an die Durchführung eines hochsensitiven CRPs (hs-CRP) gedacht wird. Diese Aussage begründen sie wie folgt: Es gebe keine Hinweise, dass Behandlungsstrategien auf der Basis von hs-CRP-Bestimmungen die Prognose der Patienten verbessern. Der hs-CRP-Test sei nur eine Option für bestimmte Patientengruppen.

Sinnvoll sei er bei Patienten, die nach den Tests ein projiziertes Zehnjahresrisiko auf ein kardiovaskuläres Ereignis von zehn bis 20 Prozent haben (Evidenz-Grad B). Hier könnte ein erhöhter hs-CRP-Wert (über 3,0 mg/l) zu einer Hochstufung des Risikos führen und damit Anlass für eine intensivierte medikamentöse Therapie sein. Bei Patienten mit einem projizierten Zehnjahresrisiko von unter zehn Prozent bestehe auch bei erhöhten hs-CRP-Werten kein Grund für eine intensivierte Therapie. Patienten mit einem projizierten Zehnjahresrisiko von über 20 Prozent benötigten auch bei geringen hs-CRP-Werten eine intensivierte Therapie. Rüdiger Meyer
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