ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2003Ethikkommissionen in Deutschland

POLITIK

Ethikkommissionen in Deutschland

Dtsch Arztebl 2003; 100(6): A-305 / B-270 / C-261

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS Nachdem die Deutsche Forschungsgemeinschaft 1970 die Zuwendung von Forschungsmitteln von der Beurteilung durch eine Ethikkommission abhängig gemacht hatte und die ersten privaten Ethikkommissionen in Kliniken und im Bereich der pharmazeutischen Industrie gegründet worden waren, rief der Medizinische Fakultätentag 1977 zur Einrichtung von Ethikkommissionen an den Fakultäten auf. Zwei Jahre später empfahl der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer den Lan­des­ärz­te­kam­mern die Gründung eigener Ethhikkommissionen. In den folgenden Jahren wurden bundesweit unabhängige Ethikkommissionen bei den Lan­des­ärz­te­kam­mern und Medizinischen Fakultäten eingerichtet. Die öffentlich-rechtlichen Ethikkommissionen mit ihren ehrenamtlich tätigen Sachverständigen sind interprofessionell zusammengesetzte Instanzen der Prüfung und Selbstkontrolle bei medizinischer Forschung am Menschen. Sie handeln im Interesse und zum Schutz der Probanden und Patienten und sollen sie vor rechtlich und ethisch bedenklichen Forschungsvorhaben bewahren. Daneben bezwecken sie auch den Schutz der Forschungsinstitution und des forschenden Arztes vor fehlerhaftem Verhalten und Regressansprüchen. Wissenschaftliche Arbeiten werden in der Regel nur dann finanziert und in wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert, wenn ein Votum der Ethikkommission vorliegt. Ethikkommissionen an den medizinischen Fakultäten beurteilen vorwiegend Projekte der Grundlagenforschung am Menschen, die nahezu ausschließlich an Hochschulen vorgenommen werden. Dagegen beschäftigen sich die Ethikkommissionen der Ärztekammern mit Projekten außeruniversitärer Forschung, vorwiegend Arzneimittelstudien, bei denen gemäß § 40 Arzneimittelgesetz das Votum einer Ethikkommission vorgeschrieben ist. Nach der (Muster-)Berufsordnung der deutschen Ärzte und den hochschulrechtlichen Bestimmungen der medizinischen Fachbereiche sind Ärzte verpflichtet, sich bei klinischer Forschung am Menschen oder bei epidemiologischen Forschungen mit personenbezogenen Daten von einer von der bei der Ärztekammer oder bei der medizinischen Fakultät gebildeten Ethikkommission beraten zu lassen. Die Beratungspflicht fand auch Eingang in bundesgesetzliche Regelungen. Das Arzneimittelgesetz enthält seit 1995 die Bestimmung, dass vor der klinischen Prüfung eines Medikaments die zustimmende Bewertung einer nach Landesrecht gebildeten Ethikkommission eingeholt werden muss. Zur Harmonisierung der Verfahren, Kriterien und Standards der einzelnen Ethikkommissionen wurde der Arbeitskreis Medizinischer Ethik-Kommissionen in der Bundesrepublik Deutschland gegründet. Die dort beschlossenen einheitlichen Verfahrensgrundsätze sind von den einzelnen Kommissionen weitgehend übernommen worden. Kli
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