ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2003Gruppenpsychotherapie: Schweigepflicht auch für Gruppenteilnehmer

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Gruppenpsychotherapie: Schweigepflicht auch für Gruppenteilnehmer

PP 2, Ausgabe Februar 2003, Seite 56

Bühring, Petra

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LNSLNS Von dem in einer gruppenpsychotherapeutischen Sitzung Besprochenen darf nichts nach außen dringen – die Wahrscheinlichkeit einer Stigmatisierung ist groß. Psychotherapeuten, die solche Gruppen leiten, und auch deren professionelle Helfer, sind deshalb zur strengen Geheimhaltung verpflichtet: einerseits durch § 203 StGB sowie möglichen zivilrechtlichen Schadensersatzfolgen, andererseits durch die standesrechtlichen und ethischen Richtlinien der Ausbildungsinstitute, Kammern und Berufsverbände. Diese strafrechtliche Schweigepflicht gilt jedoch nicht für die Teilnehmer einer Psychotherapiegruppe. Ebensowenig strafrechtlich geschützt sind auch die Teilnehmer von Selbsthilfegruppen oder Patienten in Mehrbettzimmern einer Krankenhausstation. Bleibt nur der Versuch zivilrechtlich vorzugehen, etwa wegen vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung nach § 826 BGB, wenn zum Beispiel das Alkoholproblem, sexuelle Fantasien, oder biografische Details unlauter verbreitet würden. Dieses Vorgehen erweise sich jedoch in der Praxis als „überaus schwierig“, meint Martin Riemer.
Der Doktorand am Fachbereich Gesundheitswissenschaften der Universi-
tät Bielefeld hält diesen Schutz durch da Zivilrecht nicht für ausreichend
und appelliert an den Gesetzgeber, in einer künftigen Strafrechtsänderung § 203 StGB zu überdenken und auch die Gruppentherapiemitglieder/Mitpatienten durch einen neuen Absatz in den Kreis der schweigepflichtigen Personen aufzunehmen. pb

Riemer M: Schweigepflicht in der Gruppenpsychotherapie – eine Gesetzeslücke? Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik. Beiträge zur Sozialpsychologie und therapeutischen Praxis 2002; 83: 372–376.

Martin Riemer, Fachbereich Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld, Postfach 10 01 31, 33501 Bielefeld
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