ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2003Erfolgsprognose der Therapie: Therapeuten von Stimmung geleitet

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Erfolgsprognose der Therapie: Therapeuten von Stimmung geleitet

MS

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LNSLNS Psychotherapeuten wechseln im Verlauf einer Therapie recht häufig die Methoden und Strategien, entwickeln neue Ziele und geben alte auf. Diese Entscheidungen führen jedoch nicht dazu, dass sie den Erfolg von Therapien besser einschätzen können. Das liegt unter anderem daran, dass Therapeuten die meisten Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“ treffen und von ihrer Stimmung abhängig machen. Zu diesem Ergebnis kamen die Autoren, nachdem sie 65 kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungen analysiert und 18 Therapeuten befragt hatten. Die Autoren fanden deutliche Hinweise dafür, dass die Erfolgsprognose weniger ein Ergebnis komplexer Überlegungen, sondern vielmehr ein Ergebnis heuristischer Urteilsprozesse ist. „Solange der Therapeut sich in der Therapiesitzung relativ wohl fühlt, hat er den Eindruck, dass die Therapie gut läuft“, sagen die Autoren. Ob Therapeuten sich wohl fühlen, hängt jedoch davon ab, ob sie von den Patienten akzeptiert oder abgelehnt werden. Sie reagieren dabei emotional und persönlich betroffen, statt abzuwägen und die Beziehung rational zu analysieren. Nur in der Hauptphase der Therapie machen sich Therapeuten systematische Gedanken über den Therapieerfolg, die von der Beziehung unabhängig sind. Doch der Einfluss dieser kognitiven Analysen ist so gering, dass Therapeuten selbst in einem fortgeschrittenen Stadium der Therapie nicht in der Lage sind, das Therapieergebnis vorherzusehen. Die Autoren raten zu mehr Supervision und Selbsterfahrung, um sich nicht übermäßig von der Beziehung zum Patienten beeinflussen zu lassen. ms


Schulte D, Meyer F: Woran orientieren sich Therapeuten bei ihrer Sitzungsbeurteilung und Erfolgsprognose? Zeitschrift für Klinische Psychologie und Psychotherapie 2002; 31: 4: 257–265.

Prof. Dr. Dietmar Schulte, Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum, Zentrum für Psychotherapie, 44780 Bochum, E-Mail: schulte@kli.psy.ruhr-uni-bochum.de
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