ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2003Gutachterverfahren: Elfenbeinturm
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LNSLNS Endlich haben wir den Beweis. Das Gutachterverfahren ist ein hervorragendes Instrument der Qualitätssicherung. Denken wir konsequent weiter. Das Gutachterverfahren wird auf die gesamte Medizin übertragen. Jeder operative Eingriff und jede Behandlung, die einen Dreimonatszeitraum überschreitet, wird gutachterpflichtig. Reine Polemik, nicht wahr? Wirklich?
Jede finanziell inadäquat honorierte berufliche Tätigkeit wird gesellschaftlich und individuell als wenig wert- und sinnvoll betrachtet. Jegliche Ware oder Dienstleistung, die billig zu haben ist, kann in diesem Sinne nur von minderer Qualität sein. Oder sie erfüllt die Kriterien einer Ausbeutung von Arbeitskraft. Dieser Aspekt ist ein entscheidender, wenn nicht der entscheidende Punkt in der aktuellen Diskussion um das Gutachterverfahren und fehlt in der Studie völlig. Der hohe Arbeitsaufwand der Therapeuten wird zwar ansatzweise gewürdigt, aber auch mit einer gewissen Häme als „über die Mühe des Berichteschreibens klagen“ abgetan. Die insgesamt gut aufgebaute Studie über das Gutachterverfahren, das nur für einen kleinen Teil der Behandler im Gesundheitssystem verpflichtend ist, bezieht damit eine sehr einseitige Position. Willkommen im Elfenbeinturm! Schade.
Dipl.-Psych. Georg Schalk, Richard-Wagner-Straße 2, 68165 Mannheim
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