ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2003Gutachterverfahren: Behindernd und kontraproduktiv
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LNSLNS Bereits die Überschrift ist in ihrer Realitätsverleugnung und Verkehrung ins Gegenteil selbstredend.
Wenn der Beitrag „Qualitätssichernde Therapiebegleitung“ eine Antwort der letztlich Verantwortlichen auf die aufgekommenen Fragen und Unzumutbarkeiten des Gutachterverfahrens gewesen sein sollte, dann ließe sich zweierlei schlussfolgern:
Entweder entäußert sich hier in bedenklicher Weise eine intellektuelle Unzulänglichkeit und Kritikunfähigkeit beziehungsweise Ignoranz, die dabei ist, zum Totengräber einer durch und durch humanistischen Idee und Praxis zu werden, oder es ist die Sprache derjenigen, die die strukturelle Macht in derart destruktiver Weise auszu-üben gedenken, wie sie bereits an dieser Stelle zur Darstellung kam – darum bestrebt, sich dem substanziell-kritischen Diskurs zu entziehen. Sich das Etikett einer „objektiven Qualitätssicherung“ anzuheften ist nicht nur unredlich, sondern nur noch als eine Provokation denjenigen gegenüber zu verstehen, die sich dieser destruktiven Machtausübung gegenüber ausgesetzt sehen.
Das sind nicht nur die fachlich tätigen Psychotherapeuten, sondern und vor allem Patienten, denen das entnommen werden soll, was die Gutachter sich aneignen, nämlich die produktiven Energien, die mitunter das Fundament einer befriedigenden und qualifizierten Berufsausübung der Psychotherapie ausmachen – das so genannte Libidinöse nämlich.
Es ist daher nur banal festzustellen, dass die Berichterstattung nicht unterstützend begleitend, vielmehr in der herkömmlichen Form als behindernd und kontraproduktiv zu bezeichnen, darüberhinaus aufwendig ist. Ich kenne niemanden, der diese als hilfreich und sinnvoll erfährt und bewertet. Was für eine Funktion und Bedeutung ihr zuzumessen ist, wäre durch eine relativ einfach durchzuführende Befragung der Fachkundigen festzustellen und damit eine Annäherung an die Realität vollzogen.
Dass allein die ausbeuterisch-demütigende Erstattung für den mehrstündigen Aufwand indiskutabel ist, kann dabei, wenn auch nur am Rande, nicht deutlich genug hervorgehoben werden.
Dipl.-Psych. Jan Brozik, Stresemannallee 3, 36251 Bad Hersfeld
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