ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2003Mitteilungen: Bundesweite Einführung der Blankoformularbedruckung

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Kassenärztliche Bundesvereinigung

Mitteilungen: Bundesweite Einführung der Blankoformularbedruckung

PP 2, Ausgabe Februar 2003, Seite 90

Kopetsch, Thomas

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Bundesweite Einführung der Blankoformularbedruckung
Vereinbarung mit den Krankenkassen macht in den
Arztpraxen den Weg frei für moderne Druckertechnologie.

Nach langwierigen und zähen Verhandlungen haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Spitzenverbände der Krankenkassen auf die bundesweite Einführung der Blankoformularbedruckung vom 1. Januar 2003 an verständigt. Der Begriff Blankoformularbedruckung bezeichnet die Formularerzeugung auf unbedrucktem Papier in der Arztpraxis, wobei durch die Praxiscomputersoftware und einen Drucker sowohl das eigentliche Formular als auch der Formularinhalt generiert wird. Aufgrund dieser bundesweiten Regelung können nun auch Vertragsärzte Laserdrucker für die Bedruckung von Formularen verwenden. Sie sind nicht mehr auf technisch veraltete und deshalb auch kaum noch erhältliche Nadeldrucker angewiesen.
Nadeldrucker bislang ohne Alternativen
Weil zahlreiche vertragsärztliche Vordrucke Mehrfachsätze sind (zum Beispiel Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung), die mit den heute üblichen Laser- und Tintenstrahldruckern nicht verarbeitet werden können, konnte sich die neue Druckertechnologie in der Arztpraxis bis heute nicht durchsetzen. Viele Vertragsärzte verfügen zwar über einen Laserdrucker für ihre Korrespondenz, dennoch führte beim Bedrucken von Formularen bislang am Nadeldrucker kein Weg vorbei. Dies ändert sich nun mit der bundesweiten Einführung des Blanko­formular­bedruckungs­verfahrens.
Das Verfahren wurde von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung entwickelt und in einer intensiven Testphase in der Darmstädter Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen erprobt. Die Auswertung dieses Feldversuches unter Praxisbedingungen ergab fast durchgängig ein sehr positives Bild der neuen Technologie. So äußerte sich die große Mehrheit der am Versuch beteiligten Ärzte in einer Befragung positiv über den Einsatz des Blanko­formular­bedruckungs­verfahrens, obwohl sich zum Zeitpunkt der Befragung das Verfahren noch in einem sehr frühen Erprobungsstadium befand.
Breiten Raum bei der Entwicklung des Blanko­formular­bedruckungs­verfahrens nahm die Frage der Fälschungssicherheit dieser so generierten Formulare ein. Garantiert wird die Fälschungssicherheit der Formulare einerseits durch ein eigens konzipiertes, spezielles Sicherheitspapier mit Wasserzeichen (mit Ausnahme der Psychotherapie-Formulare, die auf weißem Papier gedruckt werden), andererseits ist jedes Formular mit einem Barcode versehen.
Die Kosten des Sicherheitspapiers werden von den Krankenkassen getragen. Erhältlich ist das Papier auf den gleichen Wegen, auf denen die Ärzte auch die konventionellen Formulare beziehen. Das Sicherheitspapier gibt es in den Größen DIN A4 und DIN A5. Alle Formulare, mit Ausnahme des Rezeptes, das nicht im Blankoverfahren erstellt, sondern als Original-Vordruck bedruckt wird, können auf diesen Größen analog den Original-Formularen abgebildet werden. Durchschläge werden als Zweit- oder Drittausdruck produziert.
Dies hat Konsequenzen für die infrage kommenden Drucker. Der Laserdrucker muss mindestens ein Zwei-Schacht-Drucker sein (ein Schacht DIN-A4-Blanko/ein Schacht DIN-A5-Blanko/ein Schacht DIN-A6-Rezept, beliebig kombinierbar). Die Bedruckung des fehlenden Formates beziehungsweise des Rezeptes kann über den Multifunktionseinzug erfolgen. Zu empfehlen ist allerdings ein Drei-Schacht-Drucker, der idealerweise einen abschließbaren Schacht für die Rezepte enthält. Letztlich sollte die Wahl des Druckers in Absprache mit dem für die Praxis zuständigen Softwarehaus erfolgen, da die Zertifizierung der Software an den Drucker gebunden ist.
Unter Sicherheitsaspekten erfüllt der Barcode primär die Funktion, manipulative Änderungen am bereits erstellten Vordruckmuster zu erschweren. Da gewährleistet ist, dass auf dem Barcode keine Daten gespeichert sind, die nicht auch mit bloßem Auge lesbar sind, können am Muster keine textlichen Veränderungen vorgenommen werden, ohne dass diese vom Barcode-Inhalt abweichen. Als Nebeneffekt dieses Sicherheitskriteriums werden über den Barcode eine Reihe relevanter Daten maschinenlesbar in sicherer Form bereitgestellt, wobei es hier zu erheblichen Einsparungen bei der Datenerfassung kommen kann, wenn die vorhandenen Möglichkeiten konsequent genutzt werden. Diese Vorkehrungsmaßnahmen werden mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem weitaus höheren Sicherheitsniveau bei der Blankoformularbedruckung im Vergleich zu den konventionellen Formularen führen.
Viele Vereinfachungen für die Arztpraxis
Angesichts der wachsenden Mittelverknappung und der gleichzeitig gesteigerten Anforderungen an die Datenerfassung im Gesundheitswesen ist die bundesweite Einführung der Blankoformularbedruckung ein ebenso notwendiger wie überfälliger Schritt. Denn die Einführung der Blankoformularbedruckung wird zu Einsparungen und Erleichterungen in den Arztpraxen führen. An erster Stelle ist hier sicherlich der geringe Geräuschpegel eines Laserdruckers zu nennen, den vor allem die Arzthelferinnen und Patienten begrüßen werden. Darüber hinaus wird das Sicherheitspapier in der Arztpraxis deutlich weniger Platz beanspruchen als die bisherigen Formulare, die ja immer in ausreichender Anzahl bereitliegen müssen. Zudem kann das Abfassen der ärztlichen Korrespondenz und das Bedrucken von Formularen künftig über nur noch einen Drucker erfolgen.
Die Blankoformularbedruckung ist letztlich auch eine Maßnahme zur Papiereinsparung: Bei neuen Formularversionen wird lediglich die Software angepasst, damit entfällt die Notwendigkeit, die alten Formulare zu vernichten. Darüber hinaus brauchen die Durchschläge, die bei den herkömmlichen Formularen für den Arzt vorgesehen waren, nicht noch mal ausgedruckt und abgeheftet zu werden, befinden sich die entsprechenden Daten doch im Praxiscomputer.
Was muss der Vertragsarzt nun unternehmen, wenn er das Verfahren der Blankoformularbedruckung nutzen möchte? Die Erzeugung von Formularvordrucken im Rahmen der Blankoformularbedruckung ist dann möglich, wenn die eingesetzte Software von der Prüfstelle bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung auf der Basis der jeweils aktuellen Spezifikation zertifiziert ist, wobei jede zertifizierte Software eine Prüfnummer erhält. Der Einsatz der zertifizierten Software ist gebunden an die jeweils in die Zertifizierung einbezogenen Formularmuster und Druckertypen. Bei der Erzeugung der Blankoformulare werden die Prüfnummer sowie ein Kennzeichen zur Identifizierung des Druckertyps auf das Formular maschinell übertragen.
Für die Erzeugung von Formularvordrucken im Rahmen der Blankoformularbedruckung ist ferner die Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung erforderlich. Ausschließlich Vertragsärzte, die mittels EDV abrechnen, können eine solche Genehmigung erhalten. Der Vertragsarzt gibt gegenüber seiner Kassenärztlichen Vereinigung an, welche Softwareversion und welchen Druckertyp er zur Blankoformularbedruckung einsetzen und welche Formularmuster er erzeugen möchte. Dabei legt er der Kassenärztlichen Vereinigung Ausdrucke dieser Formulare zur Qualitätsberurteilung vor. Die Genehmigung erfolgt widerruflich und ist an den Einsatz der zertifizierten Softwareversion, insbesondere auch an die in die Zertifizierung einbezogenen Formularmuster und Druckertypen gebunden.
Dieses zweistufige Qualitätssicherungsverfahren, durch das ein hoher Qualitätsstandard sichergestellt wird, ist im Moment noch notwendig, da sich bei der Programmierung im Softwarehaus und auch bei der Anwendung in der Arztpraxis Fehler einschleichen können, die die spätere einwandfreie maschinelle Weiterverarbeitung einiger Formulare infrage stellen können. Dies würde hohe Folgekosten verursachen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung arbeitet allerdings mit Hochdruck daran, den Softwarehäusern qualitätsgesicherte standardisierte Module zu liefern, die letztlich von den Softwarehäusern nur noch in das Programm eingepflegt werden müssen. Damit könnte das recht aufwendige Zertifizierungsverfahren stark vereinfacht werden.
Exklusiv für die Nutzer des Blanko­formular­bedruckungs­verfahrens wurde ein modifiziertes Vordruckmuster 10-L/E (Überweisungs-/Abrechnungsschein für Laboratoriumsuntersuchungen als Auftragsleistung) geschaffen. Wesentlicher Unterschied zum konventionellen Vordruckmuster 10 ist der Fortfall der Abrechnungsfelder im unteren Teil des Musters. An die Stelle dieser Felder kann vom erstbeauftragenden Vertragsarzt der Auftrag an das Labor in einem (weiteren) Barcode codiert werden. Zusätzlich werden wie bisher Auftrag, Diagnose und dergleichen in uncodierter Form auf dem Muster aufgebracht, sodass sie weiterhin mit bloßem Auge lesbar sind. Der ausführende Laborarzt, der EDV-gestützt abrechnen muss, kann den Auftrag durch Einscannen des Barcodes decodieren. Damit ist die Möglichkeit zum Einzug modernster kostensparender und qualitätssichernder Scannertechnik in die Laborpraxen geschaffen worden.
Dr. rer. pol. Thomas Kopetsch
Kassenärztliche Bundesvereinigung
Herbert-Lewin-Straße 3
50931 Köln
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