ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2003Krankenhäuser: Run auf Option

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Krankenhäuser: Run auf Option

Dtsch Arztebl 2003; 100(7): A-357 / B-313 / C-301

Clade, Harald

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LNSLNS Mehr als 500 Krankenhäuser haben seit Jahresbeginn bundesweit bereits auf das Optionsmodell zur Einführung des diagnosebezogenen Entgeltsystems umgestellt. Dies sind immerhin rund 30 Prozent der rund 2 200 Akutkrankenhäuser in Deutschland. Nach dem Motto „Zuckerbrot und Peitsche“ ködert die Bundesregierung die Krankenhäuser, freiwillig und vorzeitig in das DRG-basierte Pauschalentgeltsystem einzusteigen, damit sie von der sonst geltenden Nullrunde verschont bleiben. Kliniken, die noch im Laufe dieses Jahres Fallpauschalen einführen, sollen über eine Nachmeldefrist ebenfalls in diesen Vorzug kommen. Ihnen würde ein Erlös-„Wachstum“ in Höhe von 0,81 Prozent im Westen und von 2,09 Prozent im Osten zugestanden. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft wollen weitere 500 Krankenhäuser landesweit diese Möglichkeit nutzen, falls die ursprünglich am 31. Dezember 2002 abgelaufene Nachmeldefrist verlängert wird. Die unionsregierten Länder wollten sich im Rahmen des Bundesratsvermittlungsverfahrens zum 12. SGB-V-Änderungsgesetz für eine verlängerte Nachmeldefrist einsetzen. Der baden-württembergische Sozialminister, Dr. rer. nat. Friedhelm Repnik, CDU-MdL, erklärte bereits vorab, dass Baden-Württemberg eine Sofortinitiative im Bundesrat mit dem Ziel starten werde, die Nachmeldefrist zu verlängern. Allein im Südweststaat hätten fast 40 Prozent aller Krankenhäuser das Optionsmodell genutzt (107 von 282 planungsrelevanten Krankenhäusern), erklärte der Minister vor dem 1. Krankenhausforum der SRH-Kliniken AG am 5. Februar in Karlsruhe. Dies spräche für Selbstbewusstsein und kompetentes Management. Hundert weitere Häuser in Baden-Württemberg wollten bei einer verlängerten Nachmeldefrist ebenfalls noch 2003 umsteigen. Dann wären 70 Prozent der planungsrelevanten Krankenhäuser in das Pilotprojekt eingestiegen. Ähnlich dürfte es auch in den anderen Bundesländern sein. Mithin ein Beweis dafür, dass der Köder des Geldes auch gegen eine innere Überzeugung und eine noch unzureichende Vorbereitung mobil macht. Offen bleibt allerdings, ob die bisher verhaltenen und skeptischen Einstellungen zur Praktikabilität und zur Steuerungsstringenz des neuen Entgeltsystems zutreffen. Dr. rer. pol. Harald Clade
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