ArchivDeutsches Ärzteblatt42/1996Börsebius zu Safe-T: Diese Schlaumeier!

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Safe-T: Diese Schlaumeier!

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Auch auf die Gefahr hin, daß Ihnen das Thema Telekom bereits zum Halse raushängt: ich muß noch einen nachlegen. Mit "Safe-T" bietet die Commerzbank ihren Kunden eine Finanzinnovation an, die dem Geldinstitut vermutlich Telekom-Aktien im Wert von mehreren hundert Millionen Mark zuspülen wird.
Darüber muß geredet werden, meine ich, denn die Commerzbank ködert die Anleger mit einem geradezu wundersamen Dreierpack in Sachen Sicherheit, Kursgewinn und ideale Vermögensanlage.
Unter dem Blickwinkel "Optimale Sicherheit" erklärt die Commerzbank erst eimal, worum es geht. Also, Sie kaufen (zeichnen) die Telekom-Aktien, bezahlen den Emissionspreis, verleihen die Titel dann an die Commerzbank. Für insgesamt sechs Jahre. So lange verzichten Sie auf Dividenden, weil die Commerzbank diese für sich haben möchte, Sie erhalten dafür aber eine Wertgarantie für Ihr eingesetztes Vermögen. Also auch, wenn in 2002 die Telekom-Aktie unter dem Emissionspreis notiert.
In der zweiten Säule des Prospektes wirbt die Commerzbank mit der Headline "Maximaler Kursgewinn". Wenn der Kurs gestiegen sei, könne sich der Anleger "völlig frei entscheiden", ob er die Aktie im Depot halten oder den Kursgewinn zu 100 Prozent mitnehmen wolle. Darum so einen Eiertanz zu machen ist schiere Verhohnepipelei. Wenn ich Aktien verleihe, dann bin ich nach der Verleihzeit sowieso wieder voll verfügungsberechtigt. Das muß mir die Commerzbank nicht noch extra vorbeten.
Zum Schluß bezeichnet die Commerzbank Safe-T als "ideale Vermögensanlage". Egal, wie sich der Kurs der Telekom-Aktie entwickle, man könne auf keinen Fall verlieren. Das ist wohl wahr, mehr aber auch nicht.
Die ideale Vermögensanlage findet eher auf der Seite der Commerzbank statt. Geklärt wird das durch die Frage, was denn die Commerzbank mit den Tausenden an sie verliehenen Telekom-Aktien eigentlich macht. Sie wird sie nämlich für eigene Stillhaltegeschäfte einsetzen, üppig verdienen und kann im übrigen schön Kurspflege in Telekom-Aktien betreiben.
Also aufgepaßt. Kurspflege heißt auch, die Commerzbank kann zu gegebener Zeit zu verhindern suchen, daß die Kurse über Gebühr steigen. Das heißt weiter, daß die Commerzbank selbst dazu beitragen kann, daß die Notiz der Telekom-Aktie immer hübsch in einer bestimmten Spanne bleibt.
Das bringt der Bank prima dauerhafte Erträge aus sogenannten Stillhaltegeschäften, wohlgemerkt mit den verliehenen Aktien. Das beste Geschäft macht die Bank, wenn in sechs Jahren die Telekom-Aktie nicht oder wenig gestiegen ist. Hat das die Commerzbank etwa heute schon im Kalkül? Ihnen bleibt dann nur noch die Ahnung, daß die ganz Schlauen mal wieder auf der anderen Seite sitzen. Börsebius
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