ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2003Stammzellen: Regeneration des Gehirns belegt

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Stammzellen: Regeneration des Gehirns belegt

Dtsch Arztebl 2003; 100(7): A-361

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Eine Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (DOI: /10.1073/pnas.0336479100) zeigt, dass Stammzellen aus dem Knochenmark in das Gehirn einwandern und sich dort in Glia-, aber auch in Nervenzellen differenzieren. Bereits 1997 konnte die Arbeitsgruppe um Eva Mezey vom US-National Institute of Neurological Diseases and Stroke in Bethesda zeigen (Proceedings 1997; 94: 4080–4085), dass hämatopoetische Stammzellen in das Gehirn wandern und sich dort in Gliazellen differenzieren. Später wurden auch Nervenzellen nachgewiesen, die aus Stammzellen entstanden waren. Sämtliche Versuche waren jedoch an Mäusen durchgeführt worden. Es war unklar, ob auch das menschliche Gehirn eine ähnliche Fähigkeit zur Regeneration hat. Dieser Nachweis ist der gleichen Arbeitsgruppe jetzt gelungen. Mezey untersuchte die Gehirne von vier Frauen, die ein bis neun Monate nach einer Knochenmarktransplantation gestorben waren. Die Knochenmarkspender waren Männer, deren Stammzellen ein Y-Chromosom enthalten, das Frauen bekanntlich fehlt. Doch in den Gehirnen der Frauen waren Zellen mit einem Y-Chromosom nachweisbar. Es musste sich deshalb um Stammzellen des Spenders handeln. Die meisten Stammzellen hatten sich in Stützzellen (Glia) und andere nichtneuronale Zellen differenziert.

Die Gruppe fand auch eine kleine Zahl von Nervenzellen mit Y-Chromosomen. Am häufigsten waren diese Zellen im zerebralen Cortex – dem Sitz unseres Bewusstseins – und im Hippokampus, also jener Region, die für Gedächtnis- und verwandte Funktionen verantwortlich sind. Beide Regionen – Cortex und Hippokampus – sind für ihre hohe Plastizität bekannt. Offenbar wird ein Teil dieser Funktion durch den Import „frischer“ Zellen aus dem Knochenmark gestützt.

Interessanterweise traten die Y-chromosomalen Zellen in kleinen Zellhaufen auf. Dies deutet darauf hin, dass sie sich nach dem Eintreten in das Gehirn zunächst teilten, bevor sie sich zu den Zielzellen ausdifferenzierten. Die größte Zahl von Stammzellen fand man bei den jüngsten Patientinnen. Eine war bei der Transplantation erst neun Monate alt. Sie hatte gleichzeitig die längste Überlebenszeit nach der Transplantation, sodass die Wissenschaftler sich nicht sicher sind, ob ein junges Alter, die Dauer seit der Transplantation oder beides den Import von Stammzellen in das Gehirn begünstigen. Rüdiger Meyer
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