ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2003Vertragsärzte: Versteckte Qualitäten

POLITIK

Vertragsärzte: Versteckte Qualitäten

Dtsch Arztebl 2003; 100(7): A-367 / B-323 / C-309

Rühmkorf, Daniel

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Annette Widmann-Mauz (CDU): „Nicht ein neues Zentrum, sondern die Selbstverwaltung muss die Qualitätskriterien vorgeben.“ Foto: Rühmkorf
Annette Widmann-Mauz (CDU): „Nicht ein neues Zentrum, sondern die Selbstverwaltung muss die Qualitätskriterien vorgeben.“ Foto: Rühmkorf
KBV unterstreicht Bedeutung der Selbstverwaltung und
lehnt das geplante Zentrum für Qualität in der Medizin ab.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) plädiert dafür, medizinisches Qualitätsmanagement (QM) und medizinische Qualitätssicherung weiterhin in den Händen der Selbstverwaltung zu belassen. Dafür seien die Vertragsärzte auch bereit, sich auf neue Versorgungsformen einzulassen. „Es ist nämlich allen im Gesundheitswesen Tätigen klar“, so der Erste Vorsitzende der KBV, Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, „dass die derzeitige bestehende Abschottung zwischen den Sektoren eine ineinander greifende, gut koordinierte Versorgung der Patienten erschwert.“ Richter-Reichhelm sagte dies auf dem Forum „Neue Vertrags- und Versorgungsformen – Impulse setzen durch Qualität“ Ende Januar in Berlin.
Alarmiert von den Plänen des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums, ein Nebeneinander von Kollektiv- und Einzelverträgen in der ambulanten Versorgung zuzulassen, muss die KBV ihre Innovationskraft unter Beweis stellen. Gelingt dies nicht, könnten die geplante stärkere Anbindung der Fachärzte an die Krankenhäuser sowie Einzelverträge mit Hausärzten, Praxisnetzen oder Integrierten Versorgungsverbünden das Ende der Kassenärztlichen Vereinigungen und ihres Sicherstellungsauftrages bedeuten.
Qualitätssicherung in der Praxis
Dr. Leonhard Hansen, Zweiter Vorsitzender der KBV, verwies auf die Eigeninitiativen der Vertragsärzte für mehr Qualität. Praxismanagement, Rückmeldesysteme und Weiterentwicklung des Qualitätszirkelkonzepts seien effektive Mittel, selbstständig Mängel zu beheben. Allerdings müsse die zu erzielende Qualitätssteigerung auch in einem vertretbaren Verhältnis zur benötigten Zeit stehen. „Damit QM den angestrebten Stellenwert finden kann, müssen ökonomische Anreize gesetzt werden.“
In der Podiumsdiskussion, die mit Gesundheitspolitikern der Bundestagsfraktionen von SPD und CDU sowie Vertretern der Kassen und KBV besetzt war, ging es in erster Linie um das geplante Zentrum für Qualität in der Medizin. Dieses wurde von den Teilnehmern im Saal mehrheitlich abgelehnt. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages, Klaus Kirschner (SPD), verteidigte die geplante neue Einrichtung. In ihr sollten unabhängige Gutachten erstellt werden. Aber auch Einrichtungen wie die Ärztliche Zentralstelle für Qualität in der Medizin könnten gegebenenfalls Grundlagen liefern, auf denen dann neue Leitlinien erarbeitet würden. Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion Annette Widmann-Mauz forderte dagegen, die Qualitätskriterien dürften nicht vom Zentrum vorgegeben, sondern müssten von der Selbstverwaltung entwickelt werden. Allerdings sollten die Ärzte endlich ihre Leistungen transparent machen, damit die Qualität ihrer Arbeit auch deutlich werde. Dr. med. Daniel Rühmkorf
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema