ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1996Transplantationsgesetz: Klarstellung notwendig

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Transplantationsgesetz: Klarstellung notwendig

Clade, Harald

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LNSLNS Auch beim jüngsten Anhörungsverfahren des Gesundheitsausschusses des Bundestages zu den verschiedenen Entwürfen für ein Transplantationsgesetz in der vorletzten Woche in Bonn standen sich die Befürworter und Kritiker des Hirntodkonzeptes gegenüber. Die eindeutige Klärung und das Abwägen des Pro und Kontra zu diesem Konzept ist aber die entscheidende Voraussetzung dafür, welcher gesetzliche Lösungsansatz zum Zuge kommt. Die "erweiterte Zustimmungslösung", die von einer Mehrheit von Abgeordneten der Union, der FDP und SPD favorisiert wird, steht dem alternativen Ansatz einer "engen Zustimmungslösung" gegenüber, die von einer Minderheit der SPD-Bundestagsfraktion und von Bündnis 90/Die Grünen befürwortet wird. Danach muß der Betroffene zu Lebenszeiten in eine Organentnahme ausdrücklich eingewilligt haben. Angehörige dürfen darüber nicht entscheiden. Genau dies gestattet die erweiterte Zustimmungslösung, die auch von der Bundes­ärzte­kammer, den medizinischen Fachgesellschaften und von den meisten Transplantationsmedizinern als praktikabler Lösungsweg vorgeschlagen wird. Allerdings müßten dann die differenzierten Richtlinien der Bundes­ärzte­kammer für die Untersuchungen beachtet werden; diese orientieren sich an international gültigen Standards. Bereits früher hatte die Bundes­ärzte­kammer an den Gesetzgeber appelliert, unmißverständlich klarzustellen, daß mit dem "nachgewiesenen Hirntod der Tod des Menschen festgestellt ist". Werde dagegen der Hirntod nur als Zeitpunkt definiert, ab dem einem Sterbenden Organe entnommen werden können, wäre eine Organentnahme nach ärztlichem Verständnis eine Tötung. Zweifel an der Sicherheit der Untersuchungen, mit denen der Hirntod nachgewiesen wird, seien zwar verständlich, aber sachlich unbegründet.
Das neuerliche Hearing brachte keine neuen Erkenntnisse. Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Gesundheit, Dr. rer. pol. Dieter Thomae (FDP), blieb freilich optimistisch: Der Bundestag werde das neue Gesetz am 15. November in zweiter und dritter Lesung und das Bundesratsplenum am 19. Dezember in namentlicher Abstimmung nach dem parteienübergreifenden Reformansatz beschließen. HC
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