ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2003Sexuell übertragbare Erkrankungen: „STD-Sentinel“ gestartet

POLITIK

Sexuell übertragbare Erkrankungen: „STD-Sentinel“ gestartet

Dtsch Arztebl 2003; 100(7): A-377 / B-334 / C-318

Bremer, Viviane; Marcus, Ulrich; Hamouda, Osamah

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LNSLNS Das Robert Koch-Institut bittet die Ärzteschaft um
Mithilfe bei der epidemiologischen Erfassung auch von
nichtmeldepflichtigen Geschlechtskrankheiten.

Sexuell übertragbare Erkrankungen (Sexually Transmitted Diseases, STDs) stellen ein weltweites Gesundheitsproblem dar, weil sie zu chronischen Gesundheitsschäden mit Einbußen in der Lebensqualität der Betroffenen und hohen Folgekosten für die Gesellschaft führen. In Deutschland ist eine wachsende Inzidenz von STDs anzunehmen, weil diese Erkrankungen in einigen östlichen Nachbarländern zum Teil dramatisch zugenommen haben. Aber auch in den westlichen Nachbarländern gibt es Anzeichen für eine zunehmende Verbreitung der STDs.
Auch gibt es Hinweise darauf, dass das Risiko einer HIV-Infektion sowohl in Risikogruppen als auch in der allgemeinen Bevölkerung als geringer eingeschätzt wird als früher. Die Bereitschaft, sich durch Verwendung von Kondomen zu schützen, stagniert und nimmt in stärker gefährdeten Teilgruppen sogar ab.
Solide Datenbasis
Derzeit stehen jedoch in Deutschland kaum belastbare Daten zur Beurteilung der epidemiologischen Entwicklung bei den STDs zur Verfügung, da seit dem In- Kraft-Treten des Infektionsschutzgesetzes am 1. Januar 2001 nur noch Nachweise von Syphilis oder einer HIV-Infektion der Meldepflicht unterliegen. Eine wichtige Voraussetzung für die verbesserte Prävention von STDs und die medizinische Versorgung der Infizierten ist jedoch eine solide Datenbasis zu den wichtigsten STDs, zum Beispiel der Gonorrhö oder Infektionen mit Chlamydien.
Um die Situation in Deutschland besser beurteilen, frühzeitig epidemiologische Trends feststellen und besonders gefährdete Gruppen für STDs identifizieren zu können, hat das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin eine bundesweite Erhebung – den „STD-Sentinel“ – begonnen. In diesem Zusammenhang wurden Gesundheitsämter, Fachambulanzen und niedergelassene Fachärzte/ -innen aus den Bereichen Dermatologie, Gynäkologie, Urologie sowie HIV-Schwerpunkt in allen Regionen um Teilnahme gebeten. Die am STD-Sentinel beteiligten Einrichtungen werden regelmäßig Art und Zahl der diagnostizierten STDs sowie Informationen zum möglichen Infektionsweg übermitteln.
Fragebogen ausfüllen
Erfasst werden sollen dabei in erster Linie labordiagnostisch bestätigte Infektionen mit Chlamydien, Gonokokken, Syphilis und HIV. Zusätzlich werden die Patienten gebeten, einen anonymen Fragebogen zum Risikoverhalten auszufüllen und direkt an das RKI zu senden. Die gewonnenen Daten werden als Basis für spezifische, auf Risikogruppen abgestimmte präventive Maßnahmen dienen, die das Auftreten von STDs in Deutschland verringern sollen.
Daher bittet das RKI alle angeschriebenen Ärzte/-innen, die geringe zusätzliche Arbeitsbelastung im Interesse einer Verbesserung der Datenlage und damit auch der künftigen Prävention auf sich zu nehmen und sich am STD-Sentinel zu beteiligen. Die ersten Ergebnisse werden im Mai bei einem vom Robert Koch-Institut ausgerichteten Teilnehmertreffen vorgestellt.

Dr. med. Viviane Bremer, MPH
Dr. med. Ulrich Marcus
Dr. med. Osamah Hamouda, MPH
Zentrum für Infektionsepidemiologie
Robert Koch-Institut, Seestraße 10, 13353 Berlin
Telefon: 0 30/45 47-34 27, E-Mail: bremerv@rki.de
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