ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2003Umweltgerechte Abfallentsorgung: Es gibt viel zu tun

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Umweltgerechte Abfallentsorgung: Es gibt viel zu tun

Dtsch Arztebl 2003; 100(7): A-378 / B-335 / C-319

Rink, Claus E.; Eckel, Heyo

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Foto: Peter Wirtz
Foto: Peter Wirtz
Die Einrichtungen des Gesundheitswesens erzeugen enorme Abfallmengen. Der Arbeitskreis „Medizin und Abfall“ ermittelt Kriterien
für eine umweltschonende Entsorgung.

Das Gesundheitswesen ist nicht nur einer der größten Arbeitgeber in Deutschland, es verbraucht auch enorme Ressourcen und hat damit eine beachtliche Relevanz für die Umwelt. Ein Krankenhauspatient beispielsweise verbraucht am Tag durchschnittlich 80 kWh Wärmeenergie, bis zu 30 kWh elektrische Energie, rund 500 Liter Wasser und verursacht etwa 6 kg Abfall. Der Normalbürger hingegen braucht nur ein Sechstel dieser Menge. Hochgerechnet auf alle 2 210 Krankenhäuser in Deutschland, beanspruchen allein die Energiekosten mehr als vier Milliarden Euro jährlich. Eine Minimierung der Umweltbelastung ist notwendig, nicht nur in stationären Einrichtungen, sondern auch in Arztpraxen.
Engagement in Freiburg
Das Engagement zum Umweltschutz in der Medizin ist meist informell, wie zum Beispiel die Stiftungsprofessur der Deutschen Bundesstiftung Umwelt an der Universität Würzburg: Dort wird ein Therapiekonzept zur Förderung der körpereigenen Abwehrkräfte von Krebspatienten entwickelt, um – neben dem Nutzen für die Patienten – den Einsatz von Medikamenten gegen Krebs zu verringern, denn jährlich fallen 30 000 bis 40 000 Tonnen Sondermüll an. Ein anderes Beispiel ist das Engagement für eine umweltgerechte Hygiene in Krankenhäusern, das insbesondere vom Universitätsklinikum Freiburg pionierhaft realisiert wurde.
Für den Strahlenschutz oder die Entsorgung gibt es zwar gesetzliche Regelungen. Diese geben jedoch auch nur einen formellen Rahmen vor, ihre Umsetzung unterliegt den wirtschaftlichen Gegebenheiten, der generellen Akzeptanz oder alten Gewohnheiten. So strebt beispielsweise das Kreislaufwirtschaftsgesetz an, Abfall besser zu verwerten als zu beseitigen – besser noch Abfall zu vermeiden. Die Praxis zeigt allerdings, dass das Vermeidungs- und Verwertungspotenzial bei weitem nicht ausgeschöpft ist.
Verschiedene ärztliche Verbände und Körperschaften haben sich entschlossen, nicht nur den Einfluss der Umwelt auf den Menschen in der Umweltmedizin zu untersuchen, sondern auch den Einfluss der Medizin auf die Umwelt. So werden im „Leitfaden für den Umweltschutz“ der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) Handlungsmöglichkeiten der Ärzteschaft für den Umweltschutz aufgezeigt, indem Fragen zur Abfallvermeidung, -verwertung und -beseitigung beantwortet werden. Die praktizierte Ökologie in Kliniken und in Praxen ist eine Möglichkeit, Kosten zu sparen und umweltbewusste Patienten für ein spezielles Krankenhaus zu gewinnen.
Die Duales System Deutschland AG („Grüner Punkt“) – als Selbsthilfeorganisation der Wirtschaft zur Erfüllung der Verpackungsverordnung gegründet – will die Abfallverwertung stärker an ökologischen Kriterien ausrichten und verbessern. Speziell zur Lösung der Probleme an der Schnittstelle medizinische Einrichtungen und Entsorgung wurde der „Arbeitskreis Medizin und Abfall“ gegründet. Der Vorsitzende Prof. Dr. med. Heyo Eckel, Präsident der ÄKN, beschreibt dessen Aufgaben so: „Der Arbeitskreis bündelt die fachliche Kompetenz verschiedenster auf diesem Gebiet tätiger Ärzte und Ingenieure. Er soll nicht politisch, sondern fachlich agieren und damit der Duales System Deutschland AG bei Entscheidungen Hilfestellung geben.“ Die Mitglieder des Arbeitskreises, dem auch Prof. Dr. med. Franz Daschner, Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Freiburg, angehört, sollen vor allem Projekte anregen, die Sachgrundlagen für eine qualitätsorientierte Entsorgung in medizinischen Einrichtungen ermitteln.
Studie zum Umgang mit Krankenhausabfall
Der Arbeitskreis initiierte im Jahr 2002 zwei größere Projekte. Als erstes Projekt wurde ein, von der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft geprüfter, Fragenkatalog zur Entsorgungssituation in Krankenhäusern erstellt und an 240 Kliniken versandt. Darin enthalten sind Fragen zum Entsorgungsangebot und zur Stellung des Abfallbeauftragten im Krankenhaus. Das zweite Projekt ist eine Diplomarbeit mit dem Titel „Studie zum Umgang mit Abfällen in Krankenhäusern“, durchgeführt an der Fachhochschule Gießen-Friedberg. Die Ergebnisse werden sowohl von dem Autor vor Ort ermittelt als auch durch schriftliche Befragung der Technischen Leiter und Abfallbeauftragten der Krankenhäuser. Auf der Grundlage der Ergebnisanalyse werden Handlungsempfehlungen erarbeitet.

Dr. rer. nat. Claus E. Rink
Windmühlenstraße 24 a, 50129 Bergheim
www.guidedrink.de und www.geo-coaching.org

Prof. Dr. med. Heyo Eckel
Präsident der Ärztekammer Niedersachsen
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