ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2003Medizinstudium: Heidelberg als Vorreiter

THEMEN DER ZEIT

Medizinstudium: Heidelberg als Vorreiter

Dtsch Arztebl 2003; 100(7): A-380 / B-337 / C-321

Sonntag, Hans-Günther

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LNSLNS Seit Oktober 2001 läuft der Reformstudiengang problemlos.

Bereits im Oktober 2001 wurde mit der Einführung von HEICUMED an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg eine völlig neue klinische Ausbildung der Medizinstudierenden begonnen. Damit sind die Anforderungen der neuen Approbationsordnung für Ärzte in Heidelberg bereits umgesetzt. HEICUMED sieht den Aufbau des klinischen Curriculums in fünf Themenblöcken vor, die jeweils 14 bis 20 Wochen dauern. Diese sind ihrerseits wieder in je vier bis fünf Kursmodule von jeweils zwei bis vier Wochen unterteilt. Die Studierenden rotieren in Gruppen von durchschnittlich 40 Teilnehmern durch die Module. Je Kursmodul werden täglich zwischen vier und sechs Stunden an betreutem anwesenheitspflichtigem Unterricht angeboten. Die Kursmodule finden fünf- bis zehnmal im Jahr statt. Dadurch ist gewährleistet, dass die Studierenden durchgängig in kleinen Gruppen von geschulten Tutoren betreut werden.
Interdisziplinäre Seminare
In den Kursmodulen wird das Wissen vermittelt, werden die Fähigkeiten und Fertigkeiten geschult, die für eine selbstverantwortliche ärztliche Tätigkeit unabdingbar sind. Den Rahmen bilden tägliche interdisziplinäre Seminare und Vorlesungen über grundlegende Leitsymptome. Hinzu kommen Tutorien, in denen fallbasiert und orientiert an den Leitthemen die Grundprinzipien der Diagnostik und Therapie erarbeitet werden. In sämtliche klinische Module integriert sind die Bereiche Spezielle Pathologie, Spezielle Pharmakologie, Genetik und Bildgebende Verfahren. Im Rahmen von HEICUMED ist die Einführung und Erprobung neuer Lehr- und Prüfungsformen – Einsatz neuer Medien, Problemorientiertes Lernen, Kommunikations- und Interaktionstraining an Standardpatienten, OSCE (Objective Structured Clinical Examina-
tion) – vorgesehen. Jedes Modul schließt mit mündlich-praktischen Prüfungen und gegebenenfalls Wissenstests ab. Die Leistungen der Studierenden werden fortlaufend kontrolliert.
Zur Vorbereitung des neuen Lehrkonzepts und zur Schulung der Dozenten in neuen Lehr- und Lernformen hat die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg 1999 ein mehrjähriges Kooperationsabkommen mit der Harvard Medical School, Boston/USA, abgeschlossen. Im Rahmen dieses Abkommens wurden bislang 32 Mitglieder der Fakultät in mehrwöchigen Tutorien in Boston ausgebildet. Diese Dozentengruppe bildet den Arbeitskreis der Modulkoordinatoren, der im Auftrag der Studienkommission die Studien- und Stundenpläne entwickelt hat.
HEICUMED basiert auf einem echten Studienjahr. Eine längere Unterbrechung gibt es nur noch in der Sommerpause. Die Studenten beginnen das Studienjahr jeweils nur im Oktober. Dadurch wird ein zusammenhängender Zeitraum von zehn Monaten für eine wissenschaftliche Tätigkeit geschaffen, der innerhalb des klinischen Programms frei wählbar ist und verlängert werden kann. Wegen des hervorragenden wissenschaftlichen Umfeldes am Standort Heidelberg, der sich durch eine hohe Promotionskultur auszeichnet, war der Ausweis dieses Freiraums innerhalb der Mindeststudienzeit ein vorrangiges Anliegen bei der Studienreform.
Die begleitende externe Evaluation hat gezeigt: Die Studierenden begrüßen insbesondere die Rotation in festen „Klassenverbänden“ und die gute Betreuung mit einem festen Ansprechpartner während der Kursmodule. Auch die Dozenten sind trotz verstärkter Lehrbelastung deutlich motivierter, ihren Lehrverpflichtungen nachzukommen.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Hans-Günther Sonntag
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