ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2003Krankenhaus: Der Vergleich zeigt die Misere

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Krankenhaus: Der Vergleich zeigt die Misere

Dtsch Arztebl 2003; 100(7): A-389 / B-346 / C-330

Daweke, Achim

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LNSLNS . . Nun kommt Prof. Wenderlein daher mit seiner Anklage, die Patientenaufnahme erfolge durch den „Gesellen“. Soweit ich mich erinnere, waren wir alle bereits approbierte Ärzte mit Abitur, abgeschlossenem vorklinischen und klinischem Studium, zahlreichen Praktika und Praktischem Jahr, bevor wir Patienten aufnahmen – von „Gesellen“ kann da wohl kaum die Rede sein.
Fraglos ließe sich die Aufnahmeprozedur und Effektivität der Krankenhausbehandlung weiter verbessern, doch das scheitert nicht an den „Gesellen“. Zusätzliche Fachärzte auch in der Patientenaufnahme wären wünschenswert, scheitern aber an der Doppelzüngigkeit unserer Gesellschaft, die „Gesundheit“ zwar als das höchste Gut deklariert, hieran aber beharrlich gegen jede Vernunft nur noch sparen will.
Gerade der Vergleich mit der Autowerkstatt zeigt die Misere: Hier wird nur standardisierte Arbeit geleistet, bei mühevollen Schäden wird großzügig modulweise ausgetauscht, und jede Leistung wird selbstverständlich gewinnbringend dem Kunden in Rechnung gestellt. „Budgets“ gibt es nicht, jeder Auftrag bringt Gewinn. Da wundert sich der Arzt, wenn er seinen Wagen der „Kompaktklasse“ nach der Routineinspektion abholt, die vom „Gesellen“ ausgeführt wurde und mehr kostet als ein fachärztlicher Tagesumsatz. Unter solchen Konditionen könnten wir spielend den Ablauf im Krankenhaus optimieren. Schon jetzt müssen die meisten Kollegen unangemeldet Kontrollbesuche in keiner Weise fürchten, unter den Arbeitskonditionen einer Autowerkstatt jedoch wären diese geradezu ein Vergnügen. Hoffentlich hat Prof. Wenderlein die Bedeutung der DRG nicht falsch verstanden: Damit wird das wirtschaftliche Risiko einer nicht planmäßig kurierbaren Erkrankung auf die Krankenhäuser übertragen (analog zu den bereits bestehenden „Budgets“ im niedergelassenen Bereich): Alle „Zusatzarbeiten“ gehen im Gegensatz zur Autowerkstatt zulasten des Leistungserbringers. Wer das verstanden hat, erkennt, dass DRG gerade deshalb so problematisch sind, weil sie die Arbeitsbedingungen noch weiter von den aus ärztlicher Sicht paradiesischen Zuständen in der Autowerkstatt entfernen. Doch woher soll sich noch Widerstand gegen diesen Irrsinn formieren, wenn selbst Ärzte es nicht verstehen?
Dr. med. Achim Daweke, Prinz-Georg-Straße 106, 40479 Düsseldorf
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