ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2003Akupunktur: Keine spezifische Wirkung, dennoch Effekt

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Akupunktur: Keine spezifische Wirkung, dennoch Effekt

Dtsch Arztebl 2003; 100(7): A-390 / B-348 / C-331

Rall-Niu, Jutta

Meinung zur wissenschaftlichen Überprüfung der Akupunktur:
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LNSLNS Im Jahre 1974 habe ich in Taipei in einem chinesischen Akupunkturkrankenhaus hospitiert und die Akupunktur erlernt. Bereits vorher hatte ein koreanischer Wissenschaftler versucht, wissenschaftliche Grundlagen für diese Behandlungsmethode darzustellen, die sich jedoch als Artefakte erwiesen.
Ich habe die Akupunktur selbst ausgeübt und tue das in Einzelfällen heute noch. Dabei bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass die Akupunktur keine spezifische Wirkung, aber dennoch einen Effekt hat. Und zwar wirkt sie stimulierend und hyperämisierend. Das Wichtigste ist jedoch der psychologische Effekt: die Person des Akupunktierenden, der sich eine halbe Stunde mit dem Patienten beschäftigt, und der Glaube an die Behandlungsmethode, der den Patienten von allen Medien suggeriert wird. Ich spreche zwar Chinesisch, sehe aber keineswegs asiatisch aus. Das kann es also nicht sein. Aber die Zuwendung und Zeit, die der Patient erhält, wirken Wunder. Er/sie kann endlich einmal ein paar Sorgen loswerden.
Ein Beispiel: Ein 12-jähriger, pubertierender Knabe kommt wegen Enuresis nocturna zur Akupunktur. Als er sechs Jahre alt war, begann er einzunässen. Zu dieser Zeit wurde sein jüngerer Bruder geboren, auf den sich die ganze Liebe und das Interesse der großen Verwandtschaft richtete. Da begann das Einnässen bei dem großen Bruder. Während ich ihm Nadeln setzte, u. a. über dem Schambein, sprachen wir ausführlich über die Angelegenheit. Nach zwei Sitzungen war der Knabe geheilt, und ich sagte: „Du brauchst nicht mehr wieder zu kommen.“ Darauf meinte er: „Aber ich komme doch so gern.“
Prof. Dr. Dr. Jutta Rall-Niu, Kallmorgenwegen 3, 22607 Hamburg
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