ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2003Ökonomie: Rahmenbedingungen übersehen

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Ökonomie: Rahmenbedingungen übersehen

Dtsch Arztebl 2003; 100(7): A-391 / B-347 / C-331

Sauerland, Stefan

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LNSLNS Herr Möhrle kritisiert mit gespielter (?) Empörung, dass die Rationierung medizinischer Leistungen zur Realität wird. Dabei ist dies für drei Viertel aller deutschen Ärzte schon klinischer Alltag. Dass nicht mehr alle Patienten optimal behandelt werden können, ist bei einer Rationierung per definitionem der Fall. Nur noch 10 % der deutschen Mediziner glauben an das Idealbild einer optimalen Versorgung, das Herr Möhrle hier tapfer weiter propagiert. Der dritte Schritt ist schließlich die Auswahl von Patienten für medizinische Leistungen, und wer wollte es den Kollegen Gandjour und Lauterbach verdenken, dass sie hierfür ethische und medizinische Werte und Regeln fordern. Der Versuch Möhrles, hier eine gefährliche Nähe zu rechtem Gedankengut auch nur anzudeuten, ist absurd. Seine Kritik einer scheinbar realitätsfernen Gesundheitsökonomie zeigt nur auf, dass er selbst die ökonomischen Rahmenbedingungen nicht sehen kann oder will.
Wir Ärzte wären doch froh, wenn nicht wir dem Patienten mitteilen müssen, dass seine Therapie nicht mehr erstattet wird, sondern wenn die Rationierung bereits auf politischer Ebene unter direkter Beteiligung der Bevölkerung geschieht. Nur so können das Solidarprinzip und der GKV-Beitragssatz stabil gehalten werden.
Dr. med. Stefan Sauerland, Denklinger Straße 8, 51109 Köln
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