ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2003Im Interesse der Volksgesundheit

BÜCHER

Im Interesse der Volksgesundheit

Dtsch Arztebl 2003; 100(7): A-394 / B-349

Moser, Gabriele

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LNSLNS Sozialgeschichte
Wegweisend
Gabriele Moser: „Im Interesse der Volksgesundheit . . .“ Sozialhygiene und öffentliches Gesundheitswesen in der Weimarer Republik und der frühen SBZ/DDR. Ein Beitrag zur Sozialgeschichte des deutschen Gesundheitswesens im 20. Jahrhundert. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt, 2002, 396 Seiten, kartoniert, 25 €
Die historische Aufarbeitung der „Im Interesse der Volksgesundheit . . .“ verfolgten gesundheitspolitischen Ansätze in Deutschland zwischen 1871 und 1945 wurde bisher von Forschungsarbeiten zur Ideen- und Institutionalisierungsgeschichte der „Rassenhygiene“ dominiert. Die „Sozialhygiene“ und ihre Protagonisten wurden daneben etwas vernachlässigt.
In ihrer Studie beschreibt die Autorin die Theorienbildung und Umsetzung sozialhygienischer Ideen von den Anfängen im Kaiserreich bis zum Ende der Weimarer Republik sowie deren Wiederaufnahme in den ersten Jahren der DDR. Dabei thematisiert sie die durch „Staatsumwälzungen“ bedingten Kontinuitäts- und Diskontinuitätslinien innerhalb des Institutionalisierungsprozesses der „Sozialhygiene“.
In der Sozialgeschichte des deutschen Gesundheitswesens stellt Mosers Arbeit einen Meilenstein dar. Jedoch hinterlässt die Autorin (bewusst) eine Lücke, da sie die Zeit von 1933 bis 1945 aus ihrer Darstellung ausklammert. Die Entwicklung weiterer sozialhygienischer Konzeptionen innerhalb dieses Zeitraums in den Kontext des vorgestellten Buches zu stellen ist eine wichtige Aufgabe für weitere Forschung auf diesem Gebiet. Auch die Darstellung der sich kreuzenden Wege von „Rassenhygiene“ und „Sozialhygiene“ erfolgt nicht erschöpfend. Zwar versäumt die Autorin es nicht, die Verbindungslinien und Grenzen zwischen „Sozialhygiene“ und „Rassenhygiene“ zu skizzieren, eine tiefer gehende Analyse zu diesem Thema allerdings kann und will die Arbeit nicht leisten.
Dennoch ist Mosers Untersuchung wegweisend für die Forschung und – wie Paul Weindling in seinem Vorwort schreibt – „ein wertvoller Beitrag zum Verständnis des Stellenwertes von Gesundheit und Gesundheitsverwaltung“ in der Weimarer Republik und der frühen SBZ/ DDR. Heiner Fangerau
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