ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1996Wettbewerb: Selbstkritik fehlt

SPEKTRUM: Leserbriefe

Wettbewerb: Selbstkritik fehlt

Deiß, Wilfried

Zu dem Beitrag "Grenzen des Wettbewerbs im Gesundheitswesen" von Dr. med. Ingo Flenker und Dr. med. Otmar Kloiber in Heft 38/1996
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LNSLNS Habe gestern Ihren ausgezeichneten Artikel über die Grenzen des Wettbewerbs im Gesundheitswesen gelesen. Ich kann Ihre Aussagen bis ins Detail nachvollziehen und finde es gut, daß sich ein amtierender Ärztekammerpräsident auf diese qualifizierte Art und Weise entgegen dem aktuellen Mainstream äußert. Ich halte einen Beitrag, wie den Ihren, für längst überfällig. Es ist offensichtlich, daß die existierenden, rein marktwirtschaftlich orientierten Gesundheitssysteme dieser Welt die teuersten und ineffektivsten sind und sozial Schwache am meisten benachteiligen. Wie Sie schon sagen: Gesundheit ist nun mal kein Konsumgut, über das ein mündiger Konsument frei eine Kaufentscheidung treffen kann. Interessant ist nun die Frage, welche Aspekte der aktuellen Diskussion im Gesundheitswesen in Ihrem Artikel ausgeblendet bleiben. Es ist tatsächlich auffällig, daß in dem sonst sehr fundierten und ausgewogenen Artikel ein Bereich ganz draußen bleibt. Es ist das, was man als ärztliche Selbstkritik bezeichnen würde. Ich muß annehmen, daß auch Sie sehr genau wissen, daß die Ärzteschaft ganz erheblich zur aktuellen Krise beigetragen hat . . . Es ist ja nicht nur das erste Halbjahr 1996 mit dem peinlichen, iatrogen induzierten Punktwerteverfall gewesen. Das Ausreizen von Krankenscheinen ist schließlich kein neues Phänomen, sondern ein schon länger bekanntes und toleriertes Problem, mit dem sich die Ärzteschaft durch übersteigerten Eigennutz vieler einzelner die gesamte Basis selbst entzieht.
Ich meine, die Verhandlungsposition der Ärzteschaft für die nächsten Jahre wird durch Selbstkritik nicht schlechter, sondern besser werden.
Wilfried Deiß, Kampenstraße 36, 57072 Siegen
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