SPEKTRUM: Leserbriefe

Ausgaben: Rationierung

Calles, Joachim

Folgen der Budgetierung
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LNSLNS . . . Es behaupten doch ernsthaft Mitarbeiter der Deutschen Angestellten-Krankenkasse, daß Ärzte in Deutschland jährlich mindestens fünf Milliarden DM für "überflüssige und medizinisch nicht notwendige Leistungen" kassieren. Herr Schreiner vom Verband der Ersatzkassen gipfelt gar mit folgender Aussage: "Wenn wir das Problem der medizinisch nicht notwendigen Leistungen bei niedergelassenen Ärzten in Krankenhäusern und Belegkliniken lösen könnten, hätten wir das Sparziel erreicht, und Herr Seehofer könnte sich seine Sparakrobatik schenken . . ."
Tatsache ist: Seit langen Jahren sind die Ausgaben im Bereich der ambulanten Medizin "gedeckelt", das heißt, außer einem bestimmten Betrag aus dem Mitgliederaufkommen darf keine weitere Mark bezahlt werden. Seit wenigen Jahren genießen auch die Krankenhäuser das "Privileg", mit festen Budgets auskommen zu müssen, egal wie viele Patienten zu versorgen und wie viele Leistungen zu erbringen sind . . . Es kann keine Frage sein, daß wir über die Rationalisierung zur Rationierung der Leistungen kommen müssen, da die Gelder sowohl im Krankenhaus als auch in der niedergelassenen Praxis für Reinvestitionen von Gerätschaften und zur Beschäftigung von dringend notwendigen Mitarbeitern nicht mehr zur Verfügung stehen. Im Gegenteil, Minister Seehofer fordert, daß ab 1. Januar 1997 die Mitgliederbeiträge um 0,4 Prozent gesenkt werden sollen. Im gleichen Atemzug wird der Bevölkerung versprochen, im Bereich der ambulanten Medizin die sogenannte "sprechende Medizin" zu stärken. Dies haben die niedergelassenen Ärzte getan, das dafür notwendige Geld mußte aber, da der Topf "gedeckelt" war, durch Umverteilung von der sogenannten "Apparatemedizin" abgezogen werden.
Alles in allem fehlt in diesem Lande die klare Aussage, welche Art von Medizin in Zukunft unsere Bevölkerung in Anspruch nehmen kann. Alle weiteren Versprechungen der Politik können mit Sicherheit genausowenig erfüllt werden wie die leider häufig vollmundigen Ankündigungen einiger weniger Krankenkassenvertreter . . .
Dr. med. Joachim Calles, Mozartstraße 29, 96332 Rothenkirchen

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