ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2003Kabarett: Sprechstunde beim „Ex-Arzt“

VARIA: Feuilleton

Kabarett: Sprechstunde beim „Ex-Arzt“

Dtsch Arztebl 2003; 100(7): A-421 / B-368 / C-350

Merten, Martina

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Medizin-Komödiant Dr. med. Eckart von Hirschhausen schlüpft noch immer gerne in seinen alten Arztkittel und liefert Diagnose und Therapie gleichzeitig. Foto: privat
Medizin-Komödiant Dr. med. Eckart von Hirschhausen schlüpft noch immer gerne in seinen alten Arztkittel und liefert Diagnose und Therapie gleichzeitig. Foto: privat
Dr. med. Eckart von Hirschhausen schafft mit seinem zweiten Soloprogramm vor allem eines: die Lachmuskeln seiner Zuschauer zu therapieren.

Lange Minuten muss der ungeduldige Zuschauer warten, bis er endlich vom Arzt in Empfang genommen wird. Aber die Warterei hat sich gelohnt: denn Eckart von Hirschhausen, Arzt und Komödiant, schafft es in seinem zweistündigen Soloprogramm „Sprechstunde“, Antworten auf Fragen zu geben, die Patienten schon immer einmal stellen wollten. Und er gibt Anworten auf Fragen, die viele sich nicht getraut hätten zu stellen. „Herr Doktor, warum habe ich morgens immer um acht Uhr Stuhlgang, schlafe aber bis neun?“ Egal welche Frage kommt, von Hirschhausen weiß, was die Hauptaufgabe des Mediziners bei schwierigen Patientenfragen ist: ernst bleiben.
Etwas zu ernst war Hirschhausen allerdings der triste Medizineralltag. Trotz gut abgeschlossenen Studiums und Summa-cum-laude-Promoti-
on hing der gebürtige Berliner bereits vor neun Jahren seinen Beruf an den Nagel. Warum, lässt er die neugierigen Zuhörer gleich zu Beginn seiner imaginären Sprechstunde wissen: Statistiken habe er
nie geglaubt, wichtige Fragen wären ihm nie beantwortet worden. „Denn“, fragt er das Publikum, „möchten Sie wirklich daran glauben, dass statistisch gesehen jeder Dritte hässlich ist, wenn links und rechts von Ihnen zwei attrak-
tive Personen sitzen? Oder können Sie mir die Frage beantworten, warum es Gebet heißt, wenn ich zu Gott spreche, und Psychose, wenn Gott zu mir spricht?“
So ganz hat Eckart von Hirschhausen das Arztsein aber doch nicht aufgegeben. Denn noch immer schlüpft der erst 35-Jährige gerne in seinen blütenweißen Arztkittel hinein und erinnert sich an eine Zeit, in der er noch an dessen flügelverleihende Wirkung glaubte; in der der Weg nach oben verbunden war mit ständigem Bücken und wieder Aufrechtstehen. Dabei habe ihm das Arztgewand beim Erkennen von Hierarchien oft gute Dienste geleistet. Denn, so Hirschhausen: bei Medizinstudenten hänge der Kittel wegen mit Lehrbüchern vollgestopfter Taschen immer ganz weit unten, bei den Chefärzten finde man hingegen immer gähnende Leere und den goldenen Kugelschreiber vor. Wieder in die Rolle des Arztes hineinversetzt, weiß der Medizin-Komödiant ganz genau, woran es den Göttern in Weiß so manches Mal mangelt: an Sensibilität und an Partythemen. Aber von Hirschhausen weiß Abhilfe: Ausgerechnet Astrologie und Religion werden bei ihm zu Themen, durch die jeder Arzt zum Partyknaller wird. So vergleicht er die Deutsche Bahn mit einer buddhistischen Sekte. Erstaunt blicken die Zuschauer in die Augen des Vertrauen erweckenden Mediziners und wissen plötzlich, warum dieser Mann kein Arzt geworden ist: Er experimentiert einfach zu gerne.
Schon früh begann Hirschhausen mit der Zauberei und ist mittlerweile sogar Deutscher Meister, Sparte Sprech-Zaubern. Nebenbei moderiert das Allroundtalent seit 1998 wöchentlich das Fernsehmagazin „Service Gesundheit“ im Hessen-Fernsehen und trainiert regelmäßig große Firmen, sich witzig und kreativ zu präsentieren. Denn Lachen und witzig sein ist für den „Ex-Arzt“ immer noch die beste Medizin. Martina Merten
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