ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2003Früherkennung und Frühintervention schizophrener Störungen: Psychodynamische Therapie bei schizophrenen Psychosen

MEDIZIN: Diskussion

Früherkennung und Frühintervention schizophrener Störungen: Psychodynamische Therapie bei schizophrenen Psychosen

Dtsch Arztebl 2003; 100(7): A-419 / B-366 / C-348

Müller, Thomas

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LNSLNS In dem Artikel betonen die Autoren die Notwendigkeit der Frühintervention schizophrener Störungen und nennen als „wirksame Verfahren [. . .] auf psychologischer Ebene: psychoedukative und kognitiv verhaltenstherapeutische Verfahren, Stressmanagement, Problemlösetraining“ (A 2938). Ferner wird auf die weltweite Installierung und Evaluierung von Frühinterventionsstrategien hingewiesen. Allerdings finden sich weder Hinweise auf psychodynamische Therapieverfahren noch auf die Frühinterventionszentren Skandinaviens. Die Autoren entwerfen durch diese systematischen Auslassungen ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit der Früherkennung und Frühintervention schizophrener Störungen. Dagegen ist festzuhalten, dass Früherkennung und Frühintervention in Skandinavien in entsprechenden Zentren bereits seit mehreren Jahrzehnten existieren. Deren klinische Tätigkeit, häufig eingebettet in internationale Forschungsprojekte, wird durch empirische Studien begleitet. Die Ergebnisse werden fortlaufend in leicht zugänglichen englischsprachigen Fachorganen veröffentlicht. Ein Ergebnis dieser Studien ist der zweifelsfreie Nachweis der therapeutischen Wirksamkeit psychodynamischer Therapieansätze kombiniert mit einer modernen neuroleptischen Behandlung bei schizophrenen Psychosen. Etwa 50 Prozent der behandelten Patienten wiesen in Nachuntersuchungen bedeutsame Verbesserungen nicht nur in traditionellen Bereichen wie Reduktion der Medikation, der Klinikaufenthalte und Linderung der Symptomatik auf, sondern auch in qualitativen Bereichen wie Stabilisierung der zwischenmenschlichen Beziehungen, Zunahme der Reflexivität und Stabilisierung von Ich-Funktionen, so die Meinung der international renommierten Psychotherapieforschers L. Luborsky (1, 2). Die Ergebnisse dieser skandinavischen Untersuchungen dürften auch die amerikanische psychiatrische Vereinigung (3) zu einer positiven Empfehlung psychodynamischer Therapie bei bestimmten schizophrenen Psychosen mit veranlasst haben.

Literatur
1. Alanen YO: Schizophrenie. Entstehung, Erscheinungsformen und die bedürfnisangepasste Behandlung, Stuttgart: Klett-Cotta 2001.
2. Alanen, YO et al.: Early treatment for schizophrenic patients. Oslo: Skand Univers Press, 1994.
3. American Psychiatric Association: Practice guidelines for the treatment of patients with schizophrenia. Am J Psychiatry (Suppl) 1997; 154.

Dr. phil. Thomas Müller
Millöckerweg 2
63452 Hanau

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