ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2003Patientenquittung: Beleg für Desinteresse

SEITE EINS

Patientenquittung: Beleg für Desinteresse

Dtsch Arztebl 2003; 100(8): A-433 / B-377 / C-357

Rieser, Sabine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Was kost’ mich das, was bringt mich das“? So wird im Volksmund im Kleinen umschrieben, was im Großen als Kosten-Nutzen-Rechnung bezeichnet wird. Was bringt mir das? Diese Frage haben sich offenbar auch jene Patienten gestellt, denen angeboten wurde, im Anschluss an einen Arztbesuch eine Tagesquittung mitzunehmen oder eine Quartalsabrechnung per Post zugeschickt zu bekommen.
Beides sah ein einjähriger Modellversuch vor, den die Kassenärztliche Vereinigung Rheinhessen, die Krankenkassen in Rheinland-Pfalz, das dortige Ge­sund­heits­mi­nis­terium und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) am 1. April 2002 starteten. Beteiligt hatten sich knapp hundert Ärztinnen und Ärzte in 67 Praxen.
Doch obwohl sie der Beleg nichts kostete, entschieden viele Patienten: Er bringt mir nichts. Das berichtete Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, Erster Vorsitzender der KBV, bei der Vorstellung der Ergebnisse Anfang Februar in Berlin. Im I. Versuchsquartal verlangten rund 17 000 Bürger (22 Prozent) eine Quittung, im IV. noch nur knapp 11 000 (14 Prozent).
Wundern kann man sich über die Ergebnisse eigentlich nicht. Eine Quittung hat derzeit keine finanziellen Folgen: Weder müssen Patienten eine Rechnung begleichen, noch ändert sich die Höhe ihrer Krankenkassenbeiträge. Warum dann also noch mehr Papierkram? Die gemeinhin mit solchen Quittungen verbundene Hoffnung, sie steigerten die Transparenz, erfüllte sich auch nicht für jeden Patienten so, wie es viele Gesundheitspolitiker gern hätten. Etliche waren überrascht von den Preisen für ärztliche Leistungen; sie hatten sie höher geschätzt. Um Eurobeträge angeben zu können, hatte man die Leistungen mit dem Punktwert eines zurückliegenden Quartals gewichtet. Richter-Reichhelm verwies zudem darauf, dass manche Patienten fürchteten, sie müssten am Ende doch etwas zuzahlen, wenn sie eine Quittung verlangten. Einige sorgten sich außerdem, das Verhältnis zum Arzt könne leiden.
Die KBV folgert aus alldem, dass Quittungen ein gutes zusätzliches Serviceangebot sind. Ein Arzt solle sie auf Wunsch eines Patienten hin jederzeit ausstellen müssen. Eine generelle Verpflichtung dürfe es aber nicht geben. Sabine Rieser
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema